Hilden: Auf den Spuren Marco Polos
VON LINDA GOTTSCHALK - zuletzt aktualisiert: 17.10.2007Düsseldorf (RPO). Fünf Monate waren Heribert Löhr und seine Frau Sigrid mit dem Wohnmobil unterwegs. Ihr Reiseziel war China. Der Hinweg führte sie durch Klein- und Zentralasien und zurück ging es durch Russland entlang der Strecke der transsibirischen Eisenbahn.
Reisedaten
Gesamtstrecke 28 000 Kilometer. Tagesetappen rund 400 Kilometer.
Startpunkt Venedig am 26. April. Endpunkt Warschau am 17. September. Die 13 durchfahrenen Länder: Italien, Griechenland, Türkei, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisien, China, Mongolei, Russland, Weißrussland, Polen.
Mit 66 Jahren fängt das Leben an. Ein lebendes Beispiel dafür sind Heribert Löhr und seine Ehefrau Sigrid. Erst letztes Jahr haben sie ihre Schreinerei nach 43 Jahren endgültig geschlossen. „Es war eine Rentnertour“, sagt Sigrid Löhr über ihre Reise und lacht. Aber wenn nicht im Ruhestand, wann sonst hat man schon so viel Zeit zur Verfügung? Aber soviel Ruhe und Entspannung hat das Ehepaar in den vergangenen fünf Monaten nicht gehabt. Denn eine Tour von 28 000 Kilometern, die sie auch durch drei Wüsten geführt hat, zehrt schon an den physischen und psychischen Kräften. „Die Temperaturen gingen schon an die äußerste Grenze“, berichtet Heribert Löhr über den Aufenthalt am heißesten Punkt Chinas, Turpan, bei 65 Grad draußen und 50 Grad im Wohnmobil. Aber nicht nur in dieser Beziehung musste man strapazierfähig sein. „Man muss Anpassungsvermögen haben und gruppentauglich sein“, meint Sigrid Löhr. Schließlich habe man ja fünf Monate mit den anderen Teilnehmern auskommen müssen, so die 65-Jährige. Bei einem Vortreffen im Januar hatten sich die 27 Reisewilligen zuvor nur an einem einzigen Tag kennen gelernt.
Besuch im Olympiaviertel
In Venedig, dem Startpunkt der Reise, bekamen die Löhrs die Wagennummer 14, denn ab dem Iran musste im Konvoi gefahren werden. Kontakt hielten die Fahrzeuge über Funk. Der rote Aufkleber der Reisegesellschaft „Perestroika Tours“ mit der Nummer auf dem Wohnmobil vor dem Haus zeugt noch von der langen Fahrt, die zum Teil über die alte Seidenstraße verlief. Aber auch in den Köpfen des Rentnerehepaars gibt es einen riesigen Haufen Erinnerungen. „Insgesamt war die Reise sehr beeindruckend und faszinierend“, sind sich der ehemalige Schreiner und seine Frau einig. „Das alte China, die gesamte Kultur ist toll“, erzählt die 65-Jährige. Bei dem siebentägigen Aufenthalt in Peking haben sie die „Verbotene Stadt“, den Kaiserpalast, den Himmelstempel und den Platz des himmlischen Friedens besichtigt und auch eine Fahrt mit der Rikscha durch die Altstadt gemacht. Sie konnten im Olympiaviertel auch einen Blick auf die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele werfen.
Der Weg ist das Ziel
Das kulturelle Programm im Reich der Mitte war immens. „Die Terrakotta-Armee in Xi‘an war phantastisch“, erinnert sich Sigrid Löhr. Auch ein Shaolin-Kloster hat das Hildener Ehepaar besucht. Doch nicht nur für China hat sich der lange anstrengende Weg gelohnt. „Der Weg ist das Ziel“, findet Heribert Löhr.
Besonders ist den beiden Rentnern der Iran in Erinnerung geblieben. „Die Leute dort konnten sich gar nicht vorstellen, warum wir als westliche Touristen in ihr Land kommen“, berichtet Sigrid Löhr. Die 65-Jährige musste dort als Frau ein langes Kleid und ein Kopftuch tragen. „Wir sind abenteuerlustig“, erklären die Löhrs ihre Reiselust. Die nächste Reise ist schon wieder in Planung. Im Januar 2009 soll es nach Marokko gehen.
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