Hilden: Ausgewiesen familienfreundlich
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 01.07.2010Düsseldorf (RPO). Mehr als 600 Familien in Hilden sind mit den familienspezifischen Angeboten der Stadt hochzufrieden. Das ist nur ein positives Ergebnis des Hildener Familienberichtes, der gestern vorgestellt wurde.
Vor dem Rathaus gründete sich gerade eine neue Kleinstfamilie, drinnen ging's um deren Zukunft. Während das Brautpaar die Sektkorken knallen ließ, hatte auch Dezernent Reinhard Gatzke bei der Vorstellung des ersten "Hildener Familienberichts" Grund zur Freude. Obwohl die evaluierende "Faktor Familie GmbH" kein Ranking anstrebe, habe Hilden unter den in NRW bislang untersuchten 14 Städten und drei Kreisen außerordentlich gut abgeschnitten, lobt Projektkoordinatorin Stefanie Klein.
Die Soziologin verzeichnete unter den 1118 Rückläufen der insgesamt 2500 angeschriebenen Familien eine hohe Zufriedenheit mit der Kommune: 54 Prozent halten Rahmenbedingungen wie gesundheitliche Vorsorge, Sicherheit, Freizeitangebote, Kinder- und Familienfreundlichkeit für nahezu optimal. Für den Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses, in dem der Bericht gestern ebenfalls vorgestellt wurde, ein wesentlicher Standortfaktor, der, so Hans-Werner Schneller (SPD), auch der klugen Ansiedlungspolitik Hildens mit qualifizierten Angestellten, die fleißig Steuern zahlen, zu verdanken sei.
Familienbericht
Wann Im Mai 2009 verschickte das Jugendamt 2500 Bögen mit 72 familienspezifischen Fragen.
Wer 2500 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Familien mit Kindern unter 18 Jahren.
Rücklauf 1118, also 45 Prozent.
Was Erkenntnisse über die Lebenssituation von Familien, ihre Alltagsprobleme und ihren etwaigen Bedarf an Unterstützung.
Auswertung Faktor Familie GmbH, kommunale Familienforschung Ruhruniversität Bochum.
Kosten 68 000 Euro.
Unter www.hilden.de kann der 160-seitige Familienbericht bald heruntergeladen werden.
Fünf Handlungsempfehlungen
Die Stadt will den positiven Bericht allerdings nicht in der Schublade verschwinden lassen, sondern gehe noch einen Schritt weiter, betonte Gatzke: "Mit einer so groß angelegten Befragung verpflichten wir uns schließlich, die Anregungen der Familien auch umzusetzen." In der Tat sei Hilden die erste Stadt, die es nicht bei der "Ist-Analyse" bewenden lasse, sondern ein Zusatzmodul "Handlungsempfehlungen" angefordert habe, bestätigte Klein. Wesentliche Punkte: die Beteiligung von Familien auszuweiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf umfassender zu stärken, ein kinder- und familienfreundliches Wohnumfeld zu gestalten, präventive familienpolitische Ansätze wie mit dem bereits initiierten Bildungsnetzwerk zu stärken sowie Eigenarten von Familienformen und Lebenslagen noch stärker als bisher zu berücksichtigen. Dieser Aspekt richtet sich besonders an die Alleinerziehenden, die in Hilden mit 17 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Anteil unter den befragten Familien ausmachen.
18 Prozent der Familien sind arm
Obwohl das monatliche Durchnitts-Haushaltseinkommen mit 3166 Euro sehr hoch ist, gelten rund 18 Prozent hiesiger Familien mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren als arm, betont Noosha Aubel. Die Jugendamtsleiterin empfahl deshalb gestern dem Fachausschuss folgendes Vorgehen zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen: Einer verwaltungsinternen Analyse soll die Diskussion der Ergebnisse mit Kirchen und freien Trägern der Jugendhilfe folgen. Dann werde der Bericht interessierten Hildenern, etwa im Rahmen eines Familienfestes, vorgestellt und am 2. Dezember dem Jugendhilfeausschuss ein Konzept über das weitere Vorgehen vorgelegt.
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