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Hilden: Bahnlärm: Bürger sind ratlos

VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 23.01.2012

Hilden (RP). Die Güterzugstrecke und die S-Bahn im Hildener Süden sind nicht im Lärmaktionsplan Stufe 1 enthalten. Sie werden erst in Stufe 2 ab Mitte 2013 überprüft, denn für Bahnen gelten besondere Regeln und Gesetze.

Ein Güterzug passiert den Übergang Karnaper Straße. Die Anwohner der Güterzugstrecke leiden unter dem Lärm.  Foto:  Olaf Staschik
Ein Güterzug passiert den Übergang Karnaper Straße. Die Anwohner der Güterzugstrecke leiden unter dem Lärm. Foto: Olaf Staschik

Der Verkehr auf der Güterzugstrecke im Bereich Karnap-Bolthaus-Oerkhaus hat in den vergangenen neun Jahren um mehr als 50 Prozent zugenommen. 2003 verkehrten dort nach Angaben der Bahn 43 000 Züge. In diesem Jahr seien rund 68 000 Güterzüge geplant. Das entspricht durchschnittlich einen Zug alle 7,6 Minuten. Gleichwohl ist weder die Güterzug- noch die S-Bahnstrecke im beschlossenen Lärmaktionsplan enthalten (der Rat muss noch am 15. Februar zustimmen). Lutz Groll vom Planungsamt erklärt warum.

Die etwa 48 000 S-Bahnzüge pro Jahr unterschritten den Schwellenwert, den die EU-Umgebungslärmrichtlinie für die Stufe 1 vorgibt: mehr als 60 000 Züge pro Jahr. An der Güterzugstrecke im Bereich Ellerstraße/Hülsenstraße seien tagsüber nur sechs Personen einem Wert von 70 dBA und nachts 36 einem Wert von 60 dBA und mehr ausgesetzt. Die Betroffenen lebten in einem Gewerbe- und Industriegebiet. Deshalb habe die Verwaltung vorgeschlagen, für den Schienenverkehr keinen Lärmaktionsplan Stufe 1 aufzustellen und auf Vorschläge für Minderungsmaßnahmen zu verzichten. Die Mehrheit im Stadtentwicklungsausschuss schloss sich dem an.

Info

Schienenverkehr

Güterzüge Für 2012 sind laut Bahn 189 Züge pro Tag geplant, 12,5 Prozent mehr als im Vorjahr (168 Züge pro Tag).

S-Bahn Pro Wochentag verkehren 134 Züge der S1, im Jahr rund 48 000.

Einwohner Im Hildener Süden, der in etwa durch die beiden Schienenwege markiert wird, leben rund 16 000 Einwohner (Stand: 2009).

Monika Baarz hat da andere Erfahrungen gemacht. "Je nach Windrichtung sind die Güterzüge so laut, dass man sich kaum im Garten aufhalten kann", erzählt die Anwohnerin der Humboldtstraße. Lärm gefährde auf Dauer die Gesundheit. Deshalb will sich die Hildenerin mit ihren Nachbarn zusammentun und sehen, ob man nicht gemeinsam etwas gegen den zunehmenden Bahnlärm tun kann.

An die Bahn können sich die Bürger dabei nicht halten. Nach den gesetzlichen Regelungen muss die Bahn nur dann für Lärmschutz sorgen, wenn der Schienenweg neu gebaut oder wesentlich verändert wird. "Wenn mehr Züge verkehren, ist das keine wesentliche Veränderung", erläutert Groll. 2003 baute die Bahn eine 300 Meter lange Lärmschutzwand vom Bahnhof in Richtung Süden im Bereich Bahnhofsallee/Neustraße. Das war eine "freiwillige Leistung". Damit ist der Lärmschutz im Hildener Süden aus Bahnsicht abgeschlossen. Zu mehr könne die Stadt die Bahn nicht zwingen, stellt Groll klar.

Bis Juli 2013 muss die Stadt Hilden die Stufe 2 des Lärmaktionsplanes beschließen. Dann müssen auch Straßen und Schienenwege mit einer geringeren Verkehrsbelastung untersucht werden, mehr Einwohner werden von Lärm betroffen sein. Dann ist es eine politische Entscheidung, ob die Stadt Hilden selbst Geld für Lärmschutz in die Hand nimmt. Dieser Lärmschutz ist teuer. 1998 schätzte ein Gutachter die Kosten für einen 470 Meter lange Lärmschutzwand mit Wall an der Bahn im Bereich Hofstraße auf 1,3 Millionen Euro. Die Lärmschutzwand im Bereich Karnap-Bolthaus-Oerkhaus entlang der Güterzugsstrecke, die Anwohner seit Jahren fordern, wäre mit 1,4 Kilometern fast dreimal so lang.

Quelle: RP


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