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Hilden: „Jobtrain“ macht Schüler fit

VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 25.08.2006

Düsseldorf (RPO). Das Kolleg Hilden bietet als erste Berufsschule im Kreis ein „Werkstattjahr“ an. Insgesamt stehen 40 Plätze für Schulabgänger ohne Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zur Verfügung.

Info

Werkstattjahr

Zielgruppe berufsschulpflichtige Jugendliche ohne Lehrstelle, die Probleme auf dem Ausbildungsmarkt haben.

Bausteine zwei Wochentage Berufsschule, zwei Wochentage Qualifizierung bei wirtschaftsnahen Bildungsträgern, ein Wochentag Betriebspraktikum.

Finanzierung Landesarbeitsministerium.

„Noch kann ich ruhig schlafen“, sagt Helmut Schwarzer und lächelt. Der stellvertretende Leiter des Berufskollegs Hilden ist Vorsitzender des Vereins „Jobtrain“. In dieser Funktion haftet er am Ende mit seinem persönlichen Vermögen für die Geschäfte, die der Bildungsträger tätigt. Das Kolleg – mit 2400 Schüler die größte Berufsschule im Kreis Mettmann – hat sich einiges einfallen lassen für jene Jugendlichen, die häufig mit schlechten Zeugnissen, ohne Job oder Ausbildungsplatz und ohne einen Platz in der Berufsschule auf der Straße stehen.

80 000 Euro zugesagt

Schulleiter Heinrich Bachl schätzt, dass es in Hilden rund 200 dieser Heranwachsenden gibt. Dabei hätten diese Betroffenen noch Glück. Denn in Hilden kümmerten sich neben dem Kolleg auch noch die Jugendwerkstatt und die Volkshochschule (Berufsqualifizierende Maßnahmen) um sie. Das sehe in anderen Städten des Kreises ganz anders aus. Der Kreis hat jetzt ein Sofort-Programm für Schulabgänger ohne Ausbildungs- und Arbeitsplatz aufgelegt. Das Berufskolleg Hilden soll rund 80 000 Euro erhalten. Davon will Schulleiter Heinrich Bachl einen Schulsozialarbeiter und einen Praxisanleiter einstellen. Sie sollen – mit Unterstützung der Fachlehrer – die 20 Teilnehmer in einem Schuljahr ausbildungs- oder arbeitsfähig machen.

Viele Jugendliche mit Problemen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sind schulmüde, hat Bachl beobachtet. Mit „normalem Unterricht“ könne man sie nicht mehr erreichen. Deshalb wurde eine Berufsqualifizierungsmaßnahme im vergangenen Jahr nicht als „Klasse“, sondern als „Schülerfirma“ konzipiert. Die 20 Teilnehmer übernahmen echte Aufträge für das Kolleg, wickelten unter anderem die komplette Schulbuchbestellung ab. Der Schulstoff (etwa Mathe) wurde anhand der praktischen Arbeit (Buchführung) vermittelt. Das Experiment war ein voller Erfolg, freut sich Schwarzer: „Von den 20 Teilnehmern fanden 13 eine Lehrstelle, einer einen Arbeitsplatz, vier wechselten auf die Berufsfachschule.“ Jetzt bietet das Berufskolleg ein „Werkstattjahr“ an. Die 20 Teilnehmer werden ein Jahr qualifiziert und erhalten rund 120 Euro Lohn im Monat, wenn sie bei der Stange bleiben.

Schule darf keinen Lohn zahlen

Um in den Genuss der 110 000 Euro Fördermittel des Landesarbeitsministeriums zu gelangen, musste das Kolleg zunächst den Verein „Jobtrain“ als Bildungsträger gründen und von der IHK zertifizieren lassen. Weil eine Schule keinen Lohn auszahlen und keine Arbeitsverträge abschließen darf. Hilden ist bislang das einzige Kolleg im Kreis, das ein „Werkstattjahr“ anbietet. Bachl: „Das tut sich sonst keiner an.“ Auch das Berufskolleg Mettmann habe jetzt nach Hildener Vorbild einen Verein „Jobtrain Mettmann“ gegründet.

Quelle: RP

 
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