Haan: Brustkrebs früh erkennen
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 09.03.2009Düsseldorf (RPO). Ab Ende März/Anfang April werden nach und nach rund 3700 Haanerinnen zwischen 50 und 70 Jahren zu einer Reihenuntersuchung in die Röntgenpraxis radpax in Solingen-Mitte eingeladen.
Mammographie ist keine Vorsorge, sondern Früherkennung, stellt Iris Michelmann klar. Die Diplom-Biologin koordiniert die Reihenuntersuchung im Kreis Mettmann (ohne Langenfeld und Monheim) und dem Bergischen Land: "Brustkrebs kann durch das Screening nicht verhindert werden. Aber durch eine rechtzeitige Diagnose verbessern sich die Heilungschancen erheblich."
Kassen übernehmen Kosten
Das Mammographie-Screening-Programm habe der Bundestag 2002 beschlossen. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen. Für die Umsetzung vor Ort sind die Kassenärztlichen Vereinigungen, hier die KV Nordrhein, verantwortlich.
In Haan sind 4400 Frauen zwischen 50 und 70 anspruchsberechtigt, erläuterte Michelmann. Das entspricht fast 15 Prozent der Bevölkerung der Gartenstadt. Von ihnen werden ab Ende März/Anfang April rund 3700 eine Einladung zu der Reihenuntersuchung erhalten. Die Frauen werden nicht alle gleichzeitig angeschrieben. Die Einladungen erfolgen nach und nach. Für Haan ist das medizinische Versorgungszentrum radprax in Solingen-Mitte, Kasernenstraße 15, neben dem Signal-Haus zuständig.
Reihenuntersuchung
Nach Schätzungen von Medizinern erkranken jedes Jahr etwa 55 000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs. Rund 18 000 Frauen sterben jährlich daran.
Informationen zum Mammographie-Screening gibt es unter Telefon 0202 7 58 81 80.
Wie sieht die Untersuchung aus? Die Teilnehmerinnen füllen einen Anamnesebogen aus. Nach der Röntgenaufnahme können die Frauen wieder nach Hause gehen. Die Aufnahmen werden von zwei Radiologen unabhängig voneinander begutachtet ("befundet"), erläutert die Koordinatorin.
Werden Auffälligkeiten festgestellt, werden diese gemeinsam in einer so genannten Konsensuskonferenz besprochen und abschließend beraten. Gegebenenfalls lädt man die Frauen zu einer zweiten "Abklärungsuntersuchung" ein. "Dies trifft nur auf etwa fünf Prozent der Teilnehmerinnen zu", weiß Iris Michelmann. Diese Untersuchungen dürfen nach den Richtlinien nur durch den Programmverantwortlichen Arzt selber oder seine Stellvertreterin durchgeführt werden. Deshalb werden diese Frauen in zwei Screening-Praxen nach Wuppertal eingeladen. Bleibe der bei der Abklärung festgestellte Befund "suspekt" oder bestehe Verdacht auf einen bösartigen Tumor, werde unter örtlicher Betäubung mit einer Hohlnadel eine Gewebeprobe aus der Brust entnommen. Das betreffe nur etwa eine von zehn Frauen, die zur Abklärung müssen, betont Michelmann.
Fachärztekonferenz
Die Gewebeprobe werden in einer zertifizierten pathologischen Abteilung beurteilt, das Ergebnis in einer Konferenz von allen beteiligten Fachärzten besprochen und dann von dem Programmverantwortlichen Arzt der Betroffenen mitgeteilt. Wie sehen bislang die Ergebnisse aus? Von März 2007 bis Dezember 2008 ließen in der radprax Solingen 13270 Frauen aus Solingen, Hilden und einige wenige aus Haan Mammographie-Aufnahmen von ihrer Brust machen. "Bis Ende Juni 2008 sind im Bergischen 462 Krebserkrankungen festgestellt worden" , so Iris Michelmann. Neuere Zahlen lägen noch nicht vor. 79 Erkrankungen seien aufgrund der Begutachtung durch zwei Radiologen entdeckt worden. Auffällig sei das zweite Quartal 2008 gewesen. Dort wurde bei zwölf von 1000 Frauen ein Tumor oder eine Vorstufe davon entdeckt. Normal seien zehn von 1000 Frauen. Eine Erklärung für die Häufung hatte Michelmann nicht.
Mit der Reihenuntersuchung sollen rund 70 Prozent der Frauen zwischen 50 und 70 Jahren erreicht werden. Dahinter sei man bislang weit zurück, bedauerte Michelmann. In Solingen gingen nur 53 Prozent der Zielgruppe zum Screening, im gesamten Bergischen Land waren es 55 Prozent.
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