Hilden: CDU schickt Urban ins Rennen
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 05.09.2008Düsseldorf (RPO). Die Partei- und Fraktionschefin wurde gestern Abend von 92 Prozent der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder zur Bürgermeisterkandidatin gewählt. Für ihre Bewerbungsrede erhielt sie starken Beifall.
Zuvor hatten Landrat Thomas Hendele und CDU-Kreisvorsitzender Dr. Wilhelm Droste eindringlich die Geschlossenheit der Partei beschworen und an die unseligen Grabenkämpfe der vergangenen Jahre erinnert. Von den 271 stimmberechtigten Mitgliedern waren 66 in den Saal der Feuerwehr gekommen. 61 hoben Urban als Herausforderin von Amtsinhaber Günter Scheib auf den Schild; vier stimmten mit Nein, eine Enthaltung. Urban war die einzige Kandidatin. Dass die Christdemokraten in der Öffentlichkeit heute – anders als früher – geschlossen aufträten und „eindeutige politische Ziele“ verfolgten, reklamierte die Fraktions- (seit 2005) und Parteichefin (seit 2006) selbstbewusst auch als ihren persönlichen Erfolg: „Das haben viele dieser Partei und auch mir vor zwei Jahren nicht zugetraut.“ Urban sprach in ihrer Bewerbungsrede eine Reihe von Themenfelder an, um die sie sich als Bürgermeisterin persönlich kümmern will.
Qualifikationen
Für das Bürgermeisteramt bringt Angelika Urban nach eigenen Angaben 40 Jahre Berufserfahrung mit. Die gelernte Bürokauffrau arbeitete in leitender Funktion unter anderem im Groß- und Einzelhandel und seit acht Jahren in der Verwaltung des Evangelischen Schulzentrums Hilden.
Dazu hat Urban ein Fachhochschulstudium zur Referentin für Erwachsenenbildung absolviert und leitende Mitarbeiter im kirchlichen und sozialen Bereich geschult.
Die 55-Jährige engagiert sich seit 40 Jahren ehrenamtlich und arbeitet seit zehn Jahren politisch aktiv im Stadtrat mit.
Stadtentwicklung Die CDU-Chefin sprach sich persönlich erneut gegen eine Bebauung hinter dem Alten Helmholtz aus. Darüber müsse die Fraktion zu gegebener Zeit erneut beraten. Hintergrund: Urban hatte 2005 für eine überraschende Kehrtwende ihrer Fraktion gesorgt, die die Bebauung quasi im letzten Moment ablehnte. Auch wenn in der CDU im Moment Ruhe herrscht: Das Thema ist und bleibt bei den Christdemokraten ein heißes Eisen. Sie sei nicht grundsätzlich gegen mehr Bebauung in der Innenstadt, stellte Urban klar. Jede Verdichtung müsse aber im Einzelfall sorgsam abgewogen werden.
Sicherheit und Ordnung Die Bürgermeister-Kandidatin der CDU will den Ordnungsdienst personell aufstocken und mit mehr Aufgaben betrauen. Zu einer attraktiven Stadt gehöre ein gepflegtes Erscheinungsbild. Hier sieht Urban „dringenden Handlungsbedarf“.
Generationengerechtigkeit Hilden habe viel für Kinder, Jugendliche und Familien getan. Man dürfe aber auch die anderen Alters- und Bevölkerungsgruppen nicht aus dem Auge verlieren, warb Urban für eine „generationengerechte Stadt“.
Verkehr Die Bürger Hildens sind mit Verkehr belastet. Der Verwaltung sei dazu bislang wenig eingefallen, kritisierte Urban und versprach konkrete Lösungen.
Bürgerbeteiligung Urban kritisierte die gesetzlich vorgeschriebene Bürgerbeteiligung im Rahmen von Bebauungsplanverfahren als rein formal. Die Verwaltung müsse den Bürger als Partner anerkennen und auf Augenhöhe an den Verfahren beteiligen, fordert sie. Als Bürgermeisterin will sie sich persönlich als Ansprechpartnerin zur Verfügung stellen. Damit versucht die CDU-Spitzenkandidatin zum einen ein Thema zu besetzen, dass bislang vor allem die Bürgeraktion politisch für sich reklamierte. Zum anderen reagiert Urban auf die zunehmenden Proteste aus der Bürgerschaft gegen die Planungen von Rat und Verwaltung, etwa die angedrohte Klage von Anwohnern der Hoffeldstraße gegen den geplanten Ausbau der Straße.
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