Hilden: Das Ende einer Tradition
VON SEBASTIAN BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 21.11.2006Düsseldorf (RPO). Nur die Fassade des Rathskellers bleibt erhalten. Das Gebäude selbst wird abgerissen und weicht einem Bekleidungsgeschäft. Im Stadtarchiv finden sich viele Dokumente über die Geschichte der Gaststätte.
Sogar Fahrräder konnte man Anfang des 20. Jahrhunderts im Rathskeller kaufen: Eine Zeitungsanzeige, die im Stadtarchiv aufbewahrt wird, erinnert an diese Nebentätigkeit des Gastwirts Fritz Niepenberg. Beworben werden „Fahrräder aller Art“, die zu „äußerst niedrig gestellten Preisen“ zum Verkauf stehen. Auch damals achteten die Kunden demnach auf niedrige Preise. Fritz Niepenberg, der die Gaststätte von 1891 bis 1937 führte, war aber nicht der erste Hildener, der an der Mittelstraße 33 Bier ausschenkte.
Ein altes Buch über die Hildener Gaststätten verrät, dass Peter Poßberg von 1830 bis 1865 den Rathskeller führte. Und er begann auch eine Tradition, die Fritz Niepenberg fortführen sollte: Poßberg gab sein Haus an seine Kinder weiter: Daniel Poßberg führte den Laden bis 1881. Bis zu dieser Zeit – so das alte Buch – gab es über der Wirtschaft sogar eine Mittelschule.
Wirte im Rathskeller
Peter Poßberg (1830 bis 1865).
Daniel Poßberg (1865 bis 1881).
Fritz Niepenberg (1891 bis 1937).
Walter und Emy Korten (ab 1942).
Adolf und Lotte Stulgies (1968 bis 1999).
Oliver Neumann (1999 bis 2002).
Alexander Unger (2002 bis Juni 2004).
Stammtisch des Bürgermeisters
Im zweiten Weltkrieg verstarb Fritz Niepenberg und seine Witwe übertrug die Gaststätte an ihren Schwiegersohn Walter Korten und seine Frau Emy, geborene Niepenberg. Ein Notar beglaubigte die Veräußerung am 22. Juni 1942.
Der Rathskeller, so schreibt es die Hildener Zeitung 1968, war damals der „Bürgermeister-Stammtisch-Treffpunkt“. Bei einem kühlen Blonden, so die Zeitung, wurde inoffiziell über große Stadtpolitik gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt übernahmen Lotte und Adolf Stulgies den Rathskeller, baute ihn im altdeutschen Stil um und eröffneten im Februar 1968 die Gaststätte. Der damals 31-jährige Schriftsetzer aus Osterrath wollte das damals heruntergewirtschaftete Lokal wieder hochbringen“, erinnerte er sich 1999, als er sein Lokal nach 31 Jahren schloss. Auf seine Aufgabe als Koch bereitete sich Stulgies gewissenhaft vor: Abende lang studierte er Kochbücher und guckte sich manchen Trick von anderen Köchen ab.
Wieder wurde der Rathskeller zu einem beliebten Treffpunkt für die Politik: Nach den Ratssitzungen traf man sich in der Gaststätte auf der anderen Straßenseite. Auch Prominente wie die komplette Mannschaft des MSV Duisburg trugen sich ins Gästebuch ein. Sogar Roy Black gab sich die Ehre.
Adolf Stulgies ging 1999
Die Nachfolger von Adolf und Lotti Stulgies hatten weniger Glück: Oliver Neumann, der das Lokal 1999 von den beiden übernommen hatte, musste 2002 persönliche Insolvenz anmelden.
Nur zwei Monate später übernahm Alexander Unger das Traditionsrestaurant. Doch auch er gab nach wenigen Jahren auf – und so stand der traditionsreiche Rathskeller wieder viele Monate leer, bevor es nun zu einem Geschäft umgebaut wird.
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