Haan: Datenklau oder Wettbewerb ?
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 21.11.2009Düsseldorf (RPO). Kunden der Haaner Stadt-Sparkasse wurden von ihrem ehemaligen Finanzberater eingeladen, der inzwischen zum AWD gewechselt ist. Für Sparkassen-Vorstand und Berater kein Straftat-Bestand, sondern normaler Wettbewerb.
Kreditkarten-Tausch
Auch in der Stadt-Sparkasse Haan seien etwa 120 Kunden vom Datendiebstahl bei einem spanischen Kreditkarten-Dienstleister betroffen, so Vorstandsvorsitzender Peter Vogel auf RP-Anfrage. "Wir haben die Kunden direkt angeschrieben und veranlasst, dass die Karten ausgetauscht werden."
Möglicherweise entstandene Schäden würde die Sparkasse oder die Kartengesellschaft übernehmen.
Kunden rät Vogel, ihre Monatsauszüge gründlich zu prüfen.
Seit über 20 Jahren ist Sabine Welz (Name geändert) Kundin der Stadt-Sparkasse Haan. Das ist sie auch geblieben, als sie vor einiger Zeit ins Ruhrgebiet gezogen ist – mit einer von ihr aus persönlichen Gründen weitgehend geheim gehaltenen Adresse. Um so verwunderter war die Anwendungsberaterin, als sie jetzt von ihrem ehemaligen Kundenberater angeschrieben und für kommenden Dienstag anlässlich seiner "Geschäftseröffnung" in ein Leichlinger Restaurant eingeladen wurde.
Bei Beratung bedrängt gefühlt
Mit dem Sparkassenfachwirt habe sie vor einem dreiviertel Jahr noch ein ausführliches Gespräch über ihre finanziellen Verhältnisse geführt, so Welz gegenüber der RP – und sich von seinen Anlagevorschlägen "eher bedrängt" gefühlt. "Dann erfuhr ich, dass er im Spätsommer ausgerechnet zu AWD gewechselt ist" – jenem Finanzdienstleister, der ihr schon dubios vorgekommen sei, bevor er vor einem Monat mit einer Datenpanne in die Schlagzeilen geriet. Auch ein Bekannter von ihr habe als frisch verzogener Haaner Kunde unverhofft eine Einladung erhalten.
"Ich habe die Sparkasse davon in Kenntnis gesetzt", erklärt Welz, deren Vertrauen in ihr Geldinstitut nach eigenem Bekunden einen Dämpfer erlitten habe. Vorstandsvorsitzender Peter Vogel bedauert dies. Gleichwohl könne von Daten-Missbrauch keine Rede sein: "Jeder Mitarbeiter ist zwar verpflichtet, sich an den Datenschutz zu halten, doch wenn ein Berater die Stelle wechselt und gute Kundenkontakte hat, darf er diese weiter verwenden" – freilich nur, wenn dies mit den Kunden abgesprochen sei. Lediglich für die Mitglieder des Sparkassen-Vorstandes gelte ein Wettbewerbs-Verbot auch nach einem eventuellen Wechsel. Den Verdacht der Kundin habe man natürlich überprüft, aber "keine Anhaltspunkte für Datenmissbrauch gefunden". Auch wenn Vogel "stinksauer" ist, "dass uns ein ehemaliger Mitarbeiter derart ungeschickt in eine so blöde Situation gebracht hat", sieht er in dem Verfahren dennoch keinen strafrechtlichen Tatbestand. "Unsere Kunden müssen selbst entscheiden, ob sie der Einladung Folge leisten."
"Keine Verkaufsveranstaltung"
Der Einladende hat sich nach über 20 Jahren als Kundenbetreuer bei der Stadt-Sparkasse entschieden, künftig "als selbstständiger Finanzberater Mandanten organisations- und produktunabhängig in allen finanziellen Angelegenheiten zu beraten". So heißt es im Einladungsschreiben zu seiner, wie der Haaner gegenüber der RP betonte, "rein privaten Feier". Dabei handele es sich keineswegs um eine Verkaufsveranstaltung. Vielmehr habe er "Familie, Freunde und ehemalige Kunden eingeladen, die von sich aus darum gebeten haben, dass ich mit ihnen in Kontakt bleibe". Dabei sei nicht auszuschließen, dass auch Adressen potenziell Interessierter in den Pool gelangt seien. Aber: "Ich habe es nicht nötig, mit Daten zu handeln und mich strafbar zu machen." FRAGE DES TAGES
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