Gruiten: Den Jakobsweg geschafft
VON DANIEL OELBRACHT - zuletzt aktualisiert: 04.06.2008Düsseldorf (RPO). Kraft schöpfen für die Pubertät und persönliche Grenzen überwinden, das sollten die 36 Jugendlichen der Freien Waldorfschule Gruiten auf dem spanischen Teil des Jakobsweges. Drei Wochen dauerte die Pilgerfahrt.
Pilgerfahrt
Teilnehmer Die Klasse 6 der Waldorfschule Gruiten wanderte rund 250 Kilometer auf dem spanischen Teil des Jakobsweges.
Etappen Die täglichen Strecken waren zwischen zehn und 24 Kilometer lang.
Abschluss Nach der Ankunft nahmen die 36 Kinder sowie die Eltern und Lehrer Christian Bauer an einem Pilgergottesdienst in der Kathedrale in Santiago de Compostela teil und umarmten wie alle Pilger die Jakobsstatue.
Schon allein der Auftakt zur dreiwöchigen Pilgerfahrt nach Spanien geriet für einige der 36 Waldorfschüler aus Gruiten zum Abenteuer, denn für viele war der Flug von Frankfurt-Hahn nach Santiago die erste Reise in einem Flugzeug. Doch auch die Tage nach der Ankunft mit 16 zum Teil beschwerlichen Etappen auf dem Jakobsweg werden den Jugendlichen unvergesslich bleiben – teils wegen der Kapriolen des Wetters und der kargen Verpflegung, vor allem aber aufgrund der gemeinsamen Erfahrung. Unterwegs reihten sich die Schüler ein in die Schar der Pilger, ernteten Lob und Anerkennung für ihre Ausdauer und erwarben sogar eine gewisse Berühmtheit.
Wetter machte Zelten unmöglich
„Die Befürchtungen, die manche Eltern und Kollegen im Vorfeld hatten, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil: Am Ende waren alle mit Freude dabei, niemand wollte mehr nach Hause und die beiden letzten Etappen sind wird regelrecht geflogen“, erinnerte sich Christian Bauer gestern im Kreise der Klasse 6 der Freien Waldorfschule Gruiten.
„Ich bin am Ende krank geworden. Da ging ein Magen-Darm-Virus unter den Pilgern herum. Außerdem bin ich einige Male beim Bergabgehen umgeknickt“, resümierte Jule (12). Ihr Mitschüler Jonathan (13) stimmte zu: „Es war manchmal ein schwieriger Weg, steinig und durchs Wasser.“ Désirée (12) hingegen haderte immer noch mit dem Essen: „Es gab dauernd Nudeln.“ Mit Unbehagen schien sie sich an die Käse-Tortellini zu erinnern. Erst der Gedanke an Pfannkuchen und Hamburger, die ebenfalls in der mobilen Küche von Müttern und Schülern zubereitet wurden, stimmte sie versöhnlich.
Stolz auf die Pilgerurkunde
Pech hatten die Gruitener mit dem Wetter: Es gab Dauerregen statt warmer Temperaturen. Damit entfielen auch die geplanten Übernachtungen in Zelten entlang der Strecke. „Wir sind auf Herbergen und Turnhallen ausgewichen. Allerdings wussten wir an vielen Tagen morgens noch nicht, wo wir abends schlafen würden“, sagte Bauer. Freude kam bei den Schülern immer dann auf, wenn sie erkannt wurden. Mehrere Male sprachen andere Pilger die Kinder auf den Vorbericht in der Rheinischen Post an. Diese Berühmtheit ließ auch das letzte Fünkchen Heimweh schwinden. Immerhin anderthalb Tage verbrachten die Gruitener zum Abschluss noch am Meer, was besonders Luisa (12) gut gefiel.
Jonas (12) ist dagegen stolz auf die Urkunde mit lateinischer Inschrift, die jeder Pilger in Santiago erhielt. „Die hängt natürlich schon in meinem Zimmer an der Wand.“ Und mancher Jugendliche führte unterwegs tatsächlich einen Kampf mit sich selbst. „Ich hatte zu Beginn Heimweh. Aber ich bin nicht zurück geflogen“, sagte Jessica (13), „und das war auch gut so!“
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