Gruiten: Den Pilgerweg im Blick
VON RALF GERAEDTS - zuletzt aktualisiert: 24.04.2008Düsseldorf (RPO). Die Klasse 6 der Waldorfschule wandert im Mai 250 Kilometer über den spanischen Teil des Jakobsweges. Die Kinder sollen Kraft schöpfen für ihre Pubertät.
Heute in zwei Wochen sind die 38 Kinder schon auf ihrer großen Reise. Vom 8. bis zum 29. Mai wandert die Klasse 6 der Freien Waldorfschule Haan-Gruiten auf dem Jakobsweg in Nordspanien. 250 Kilometer, von Astorga nach Santiago de Compostela. Den Anstoß zu dem dreiwöchigen Abenteuer gab Klassenlehrer Christian Bauer, der schon achtmal auf dem Pilgerweg unterwegs war.
„Wenn ich als Erwachsener auf dem Pilgerweg unterwegs war, gab es immer wieder persönliche Grenzen. Die musste ich notgedrungen überwinden. Daraus habe ich Kraft gezogen“, erläutert Bauer. Diese Erfahrung will der Pädagoge auch den Kindern vermitteln, die kurz vor dem Eintritt in die Pubertät stehen. Sie sollen Kraft schöpfen, um „durch diese schwere Zeit zu kommen“.
Jakobsweg
Der spanische Teil des Jakobsweges (Camino francés) ist etwa 800 Kilometer lang.
Pilgerreisen zum Grab des Apostels Jakobus gab es schon im elften Jahrhundert.
In den letzten 40 Jahren hat das Pilgerwesen einen enormen Aufschwung genommen. 68 Pilger waren es 1970, mehr als 114 000 in 2007.
Schuhe werden eingelaufen
Alle Mädchen und Jungen haben schon ihre Wanderschuhe. Sie gehören bereits seit Ende der Osterferien quasi zur Schulkleidung. Schließlich müssen sie gut eingelaufen sein, um auf dem Pilgerweg möglichst keine Blasen zu verursachen. Einen Wanderstock hat jeder Schüler auch schon geschnitten und geschnitzt. Allerdings ist dessen Einsatz noch nicht zum Allgemeingut geworden. „Der Stock ist lästig“, „man kann auch ohne gehen“ oder „ist komisch“ waren einige Meinungen nach dem Testlauf durch Gruiten-Dorf und rund um den alten Steinbruch Grube 7 zu vernehmen.
Wenige Tage vor dem Abflug von Frankfurt-Hahn nach Santiago soll es noch einen letzten Testlauf von etwa 15 Kilometer durch das Neandertal geben. Das entspricht dann einer Tagesetappe. Die Schüler fahren von Santiago mit dem Bus nach Astorga. Sie übernachten an den Pilgerherbergen in Zelten, die auf nahen Wiesen aufgeschlagen werden. Je drei Schüler teilen sich ein Vier-Mann-Zelt.
Morgens gegen acht Uhr wird das Gepäck in die beiden Kleinbusse geladen, die von mitreisenden Eltern – neun wechseln sich in den drei Wochen ab – gelenkt werden. Auf der Strecke tragen die Kinder nur den Tagesrucksack mit Proviant, Wasser, Pflastern und Regenjacke. Am Nachmittag soll das Etappenziel erreicht sein. Eine Mutter übernimmt, unterstützt von den Kindern, das Kochen am Abend. Was auf dem Speiseplan steht, hängt auch ab vom Angebot vor Ort.
Drei Tage Entspannung am Meer
Ein Pausentag mit Zelten an einem Stausee ist geplant. Maximal vier Kinder können eine Tagesetappe per Bus bewältigen. An den beiden ersten Tagen wird es zwei recht steile Anstiege geben. Danach sei das Gelände „leicht gewellt, wie bei uns im Bergischen“, sagt der Lehrer. Christian Bauer hat die Etappen so geplant, dass am Ende noch drei Tage Entspannung am Cap Finistere zur Verfügung stehen, wo die Mädchen und Jungen die Füße im Atlantikwasser kühlen können.
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