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Serie: Wilhelm Fabry (8): Die Frau an Fabrys Seite

VON ULLI SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 17.02.2010 - 10:25

Düsseldorf (RPO). Marie Colinet, von ihrem Ehemann liebevoll „Colinette“ genannt, war nicht nur die Ehefrau Wilhelm Fabrys und die Mutter seiner Kinder. Sie half ihm auch bei der Behandlung seiner Patienten.

„Colinette“ nennt Wilhelm Fabry seine Frau, die er am 30. Juli 1587 im Alter von 27 Jahren in Genf heiratet. Marie Colinet ist die Tochter eines Buchdruckers, überdurchschnittlich intelligent und wie ihr Mann streng gläubig. Für Wilhelm wird sie nicht nur Mutter der gemeinsamen acht Kinder, sondern über 47 Ehe-Jahre die beste Lebensgefährtin, die er sich nur wünschen kann. In seinen Briefen spricht er liebevoll von „seiner Hausfrau“.

Aber Marie interessiert sich auch für den Beruf ihres Mannes, hilft ihm bei der Behandlung von Patienten. Bedingt durch Fabrys weite Reisen, muss sie ihn in der Praxis häufig vertreten, richtet sogar Knochenbrüche und kuriert Blasenleiden. Später wird sie zu einer Spezialistin in der Geburtshilfe, besonders in schweren Fällen, in denen sie tote Kinder zur Welt holen muss, um das Leben der Mütter zu retten.

Bekannt wird Fabrys Frau durch eine Idee: Als im März 1624 ein Bauer den schon berühmten Ehemann konsultiert, weil ihm ein Stahlsplitter in die Hornhaut des Auges geraten ist, versucht Fabry vergebens eine Operation: „Da hat meine Ehefrau sich ein sehr geeignetes Mittel ausgedacht. Während ich nämlich mit beiden Händen die Augenlider öffnete, näherte sie sich mit einem Magneten dem Auge“, lobt er den gelungenen Eingriff später in seinen „Observationes“.

Auch in puncto Glaube und Moral ist sich das Paar einig: Strenge in der Erziehung, auch Schläge, sollen die Kinder von unchristlichem Tun abhalten. Jugend, so ihre Überzeugung, sei nicht zum Vergnügen da, sondern um sich Wissen anzueignen. Eitelkeit, Stolz und Hochmut gelten als Sünden. Ausgeschnittene Kleider, Tanz oder Kartenspiel auch. Das Glück meint es nicht gut mit den Fabrys: Sieben ihrer Kinder sterben noch zu ihren Lebzeiten. Als der älteste Sohn 1595 mit sieben Jahren einem Nierenleiden erliegt, lässt der Vater ihn für wissenschaftliche Zwecke in Köln sezieren. Der Verlust zweier Töchter, die 1613 in Lausanne an der Pest sterben, muss den damals 53-jährigen Wilhelm besonders schwer getroffen haben, denn er kann nicht helfen. Im Jahr 1611 war er ein letztes Mal in Richtung Heimat aufgebrochen, um seine kranke Mutter zu besuchen. Sie stirbt am 26. April 1612.

Nach der überstandenen Pest-Epidemie in Lausanne zieht er 1615 mit der verbliebenen Familie nach Bern, weil ihm dort die Stelle eines Stadtchirurgen angeboten wird. Als Fabry dort am 15. Februar 1634 im Alter von fast 74 Jahren an Asthma stirbt, lebt außer seiner Frau Marie nur noch sein Sohn Johannes. Er ist ebenfalls Wundarzt geworden, hat den Vater auf vielen Patienten-Besuchen begleitet und übernimmt dessen Nachfolge. Und er sammelt und veröffentlicht 1637 sämtliche Ehrungen, die seinem Vater Wilhelm posthum aus dem In-und Ausland zuteil werden.

Quelle: RP

 
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