Gruiten: Dienstleistungswüste Gruiten?
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 26.11.2010Düsseldorf (RPO). Auf dem Edeka-Parkplatz diskutierte die RP Donnerstag mit Bürgern, Vertretern aus Politik und Verwaltung über die kostenbedingte Reduzierung von Service-Einrichtungen im Stadtteil. Fazit: Die Gruitener fühlen sich vernachlässigt.
Dass Donnerstagvormittag bei gefühlten drei Grad und nasskaltem Nieselwetter konstant an die 20 Leute unter dem sonnengelben Pavillon der mobilen RP-Redaktion ausharrten, lässt die Brisanz des Themas erahnen: Über die Frage "Wie viel Dienstleistung brauchen die Gruitener Bürger – wie viel Dienstleistung kann die Stadt im Nothaushalt bieten?" wurde auf dem Edeka-Parkplatz teils heftig diskutiert.
Streichkonzert im Stadtteil
RP-Redakteur Ralf Geraedts skizzierte das städtische Streich-Konzert: Der Service des Einwohnermeldeamtes ist eingestellt, der der Rentenversicherungsstelle gekürzt worden. Das Hallenbad ist seit zehn Jahren dicht, über die Schließung des Bürgerhauses wird immer wieder diskutiert, und die Zweigstelle der Bücherei dürfte nach der Wiedereröffnung der Haaner Hauptstelle im Februar nächsten Jahres unterm Dach des Bahnhofgebäudes weniger Besucher haben.
Bürgerhaushalt
Seit Monatsbeginn bittet der Bürgermeister um Sparvorschläge für den Haushalt 2011.
Auf der Internetseite www.haan.de oder per Mail (Sparvorschlaege@Stadt-Haan.de) können bis zum 30. November ernst gemeinte Sparvorschläge eingereicht werden. 15 liegen bisher vor.
"Ist Gruiten der Verwaltung noch nicht mal eine Zehntel-Stelle wert?" wetterte denn auch der Bürgervereins-Vorsitzende Hans Rudersdorf mit Blick auf die Bürgerbüro-Dependance. Dass "ein Mindeststandard an Dienstleistungen" im Gruitener Bahnhof erhalten bleiben müsse, forderte auch Heiner Wolfsperger, der Ortsvereinsvorsitzende der SPD Gruiten. Knut vom Bovert verwies hingegen auf "Sachzwänge": "Die 10 000 Euro der für den neuen Personalausweis notwendigen Computertechnik stellt uns kein klagender Ratsherr bereit."
Der Bürgermeister betonte, dass sich auch die Haaner Ausgaben im Nothaushalt auf ein Minimum beschränken müssten. Allein im Gymnasium fehlten 17 Millionen Euro für die Sanierung: "Da müssen wir uns fragen, ob sich Haan künftig überhaupt noch ein Gymnasium leisten kann." Die Personalkosten der Verwaltung müsse er in diesem Jahr um 150 000 Euro und im nächsten Jahr um 250 000 Euro kürzen, so vom Bovert. Um so schwerer wiege es, dass mit dem vom Rat gewollten Weggang des Technischen Beigeordneten Buckesfeld und dem altersbedingten Abschied der Wirtschaftsförderin auch deren Sachwissen verzogen sei.
Ein Kernproblem aus Sicht vom Boverts ist, dass Rat und Verwaltung sich eher als Gegner sehen denn an einem Strang ziehen würden. Zum Beispiel bei den Sportstätten, die Dieter Schauf als weichen Standortfaktor und Anreiz für junge Familien würdigte, nach Gruiten zu ziehen. "Haan war jahrzehntelang eine der reichsten Städte Deutschlands", so der Vorsitzende det TSV-Fußballabteilung und Fördervereinschef.. "Warum wurden Gebäude und Plätze in dieser Zeit nicht adäquat unterhalten?"
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