Hilden: Erzähl‘ mir mal was
VON PETRA CZYPEREK - zuletzt aktualisiert: 22.10.2008Düsseldorf (RPO). Die Kita Mühle arbeitet mit einem neuen Konzept zur Sprachförderung, in dessen Mittelpunkt die Erzählfähigkeit steht. Die Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin Astrid Drick hat es im Rahmen ihrer Promotion entwickelt.
Wenn man erlebt, wie begeistert Dreijährige einer Bilderbuchgeschichte lauschen und selbst nach dem vierten Vorlesen fordern: „Nochmal!“, kann man sich kaum vorstellen, dass immer mehr Kindergartenkinder Probleme haben, Erlebtes richtig wiederzugeben. „Wenn wir montags in unserer Gruppe fragen, was die Mädchen und Jungen am Wochenende gemacht haben, bekommen wir oft sehr einsilbige Antworten“, berichtet Stefanie Hopp, Erzieherin in der Kita Mühle. „Spielplatz“, lautet eine Anwort. Frage sie nochmal nach, was die Kinder dort konkret gespielt haben, bekommt sie vielleicht noch „schaukeln“ zu hören. Ein richtiges Gespräch könnten selbst Vier- und Fünfjährige kaum führen, bedauert Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin Astrid Drick. Sie ist seit vier Jahren in der Kita Mühle in der Sprachförderung tätig. Für ihre Promotion an der Universität Dortmund erarbeitet die Hildenerin ein Konzept, in dessen Mittelpunkt die Entwicklung und Förderung der kindlichen Erzählfähigkeit steht.
Tipps für zuhause
Interessierte Eltern sind zur nächsten Veranstaltung „Sprachförderung zuhause“ für Dienstag, 28. Oktober, 15 bis 16.30 Uhr, in die Kindertagesstätte Mühle, Mühle 20, in Hilden eingeladen. Stefanie Hopp und Kathrin Wannrich stellen dort das Konzept der promovierten Sprachwissenschaftlerin Astrid Drick vor (mit Kinderbetreuung). Rückfragen und Anmeldungen unter Tel.02103 6808.
Nicht umfassend genug
Konzepte, die Drick bisher kennen gelernt hat, reichten ihrer Meinung nach nicht aus, um Kinder mit Defiziten umfassend zu fördern. Meistens hätten sie einseitig die Grammatik, Lautbildung oder den Wortschatz im Visier. Unberücksichtigt bliebe die Erzählfähigkeit. Erzählen sei aber später in der Schule Basis für den Unterricht. Erzählen können sollte deshalb beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule weit genug entwickelt sein.
Betroffen sind überwiegend Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder aus Familien mit Migrationshintergrund. „Dort wird zu Hause einfach zu wenig gesprochen“, weiß Stefanie Hopp. Statt ihre Kinder mit zum Einkaufen, zum Frisör oder zum Arzt zu nehmen, um das alltägliche Leben mit allen Facetten zu vermitteln, würden viele Kinder vor dem Fernseher ruhig gestellt. Vielleicht, so vermutet Hopp, erlebten diese Eltern ihre Kinder auch als Belastung und eine Unterhaltung als Anstrengung. Dabei sollten sich alle Eltern bewusst machen, dass sie selber „Sprachmodell“ für ihre Kinder sind. Zur Sprachförderung brauche es keine teuren Materialien, sondern gemeinsam verbrachte Zeit. „Eltern sollen ihre Kinder ruhig viel fragen“, raten die Erzieherinnen Kathrin Wannrich und Stefanie Hopp. Beispielsweise wie der Kindergartentag war, oder wie sie den Besuch beim Arzt erlebt haben. Das Team der Kita Mühle mit 70 Kindern in fünf Gruppen setzt Fingerspiele, gemeinsames Singen und kleine Spiele, bei denen Kommunikation geübt wird, zur ganzheitlichen Sprachförderung ein.
Für Kinder mit besonderem Bedarf gibt es zweimal wöchentlich eine externe Betreuung von Astrid Drick. Um noch mehr Kinder zu erreichen, hat die Sprachwissenschaftlerin Stefanie Hopp und Kathrin Wannrich ausgebildet. Die beiden Erzieherinnen geben ihr Wissen mittlerweile an die Eltern weiter.
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