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Hilden: "Es ist ein Bildungsproblem"

VON D. SCHMIDT-ELMENDORFF - zuletzt aktualisiert: 29.01.2009

Düsseldorf (RPO). In Hilden stellen die Türken aus Sicht der Stadt kein Problem dar: Die Gemeinde sei offen, es gebe genügend Kontakte. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Sprache der Schlüssel zur Integration ist.

Bekir Arslan, selbstständiger Unternehmensberater, will seinen Landsleuten bei der Bildung ihrer Kinder helfen. Hier sei Privatinitiative gefragt. Sein Erziehungs- und Bildungsvereins "Hand in Hand" befindet sich in Gründung. Foto: RPO

"A wie Anton, R wie Richard, S wie Siegfried.." Wenn Bekir Arslan seinen Nachnamen buchstabiert, benutzt der gebürtige Türke ganz selbstverständlich das deutsche Buchstabier-Alphabet. Der 46-Jährige ist Akademiker, selbstständiger Unternehmensberater und hat einen deutschen Pass. Das Idealbeispiel eines gut integrierten Türken. Dabei hatte er ganz ähnliche Startbedingungen wie seine Landsleute: Sein Vater kam mit der ersten Anwerberwelle hierher – mit dem Ziel, Geld zu verdienen und nach einigen Jahren in die Heimat zurückzukehren. "Meine Eltern konnten sich gerade so eben verständigen. Sie konnten mir nicht helfen. Die Motivation, es zu schaffen, habe ich aus mir selbst heraus entwickelt."

Info

1101 Türken

Nach Auskunft des Einwohnermeldeamtes leben in Hilden 1101 Türken. Eingebürgerte Türken oder Deutsche mit Migrationshintergrund (ein türkisches Elternteil) werden nicht gesondert erfasst.

Mit seinem Werdegang Abitur – Betriebswirtschaftsstudium – Führungsposition in einem Verlagshaus nimmt er unter seinen Landsleuten eine Sonderstellung ein. Denn nach einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung liegen Migranten aus der Türkei beim Integrationsranking auf dem letzten Platz: Sie sind schlechter gebildet und häufiger arbeitslos.

"Ungenutzte Potenziale"

Warum also lässt die Mehrheit der Türken ihre "Potenziale ungenutzt", so der Titel der Studie? "Sie können nicht anders, weil sie es nicht besser wissen", sagt Arslan. Das vermeintliche Integrationsproblem sei in Wahrheit ein Bildungsproblem. Es handle sich bei den Zuwanderen vielfach um Menschen aus einfachen, bildungsfernen Schichten. Man müsse diese Menschen wie an der Bushaltestelle an die Hand nehmen, ihnen den richtigen Bus zeigen und das Fahrplanlesen beibringen, damit sie begreifen, wo es langgeht: "Die Kinder Kika statt RTL II sehen lassen auch mal 'ne deutsche Zeitung kaufen und für die Hausaufgaben einen richtigen Arbeitsplatz schaffen." Das Problem sei, dass die Integrationsangebote der Stadt nicht alle Türken erreichten, man müsse diese Informationen in die Gemeinde hineintragen, Hemmschwellen abbauen. Deshalb engagiert er sich, hat sich für die Einführung des muttersprachlichen Unterrichts an der Grundschule Schulstraße eingesetzt, ist dort Elternsprecher.

Kindern helfen können

Auch Atike Sezek, Trägerin des ersten Integrationspreises, beschritt bewusst einen anderen Weg als ihre Mutter, die vom Informationsfluss aus der Welt "da draußen" völlig abgeschnitten war. Aber auch ihr mussten erst ihre Kinder die Tür zur deutschen Sprache eröffnen. "Eine Mutter muss die Sprache beherrschen, um sie an die Kinder weiter zu geben." Seitdem sie am Rucksackprojekt teilnimmt, lese und spreche sie viel mit ihnen. "Ich möchte nicht, dass sie wie manche Jugendliche diesen Mischmasch sprechen." Dieses Bildungsbewusstsein hatten auch die Eltern von Rukiye Akyol, die bei der Stadt derzeit eine Ausbildung als Verwaltungsfachabgestellte macht. "Bei uns zu Hause wurde Deutsch gesprochen." Ihre drei Geschwister streben das Abitur an.

Quelle: RP

 
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