Hilden: Finale für das jwd
VON PETRA CZYPEREK - zuletzt aktualisiert: 26.06.2008Düsseldorf (RPO). Die Disco an der Hochdahler Straße 401 war eine Institution: Schüler feierten dort Stufenpartys, Hildener Bands hatten ihre ersten Auftritte, Konzerte und Jam-Sessions waren fester Bestandteil des Programms.
Zeitgleich zum EM-Finale am kommenden Sonntag steigt die letzte Party im „jwd“. „Bis nichts mehr geht“, versprechen die Veranstalter auf der Homepage. Mit Live-Musik von „Headshop“ und einem Fußballfest. Doch dann ist Schluss. Endgültig nach 24 Jahren.
Das Haus machte in den vergangenen Monaten zwar wegen einiger Schlägereien Negativ-Schlagzeilen, bot aber vielen Hildener Bands eine Bühne. Konzerte und Sessions waren fester Bestandteil, die Disco ein Treffpunkt. Eine vergleichbare Alternative für 16- bis 18-Jährige gibt es in Hilden nicht. Ob die notwendig ist, bezweifelt Uwe Müller, dem das jwd gemeinsam mit seinem Bruder Axel gehört. Betrieben wird die Disco von einer GmbH mit fünf Partnern. Dazu gehören neben den Brüdern auch Peter und Thomas Plötzer sowie Guido Breitenbach.
„Es kommen immer weniger Gäste“, zieht Müller eine ernüchternde Bilanz. Außer zu den Musik-Events und den Partys an Weihnachten oder Karneval bliebe die Disco häufig leer. „Das war vor 15 Jahren anders“, erinnert er sich. Damals gingen die Teens aus, um sich kennenzulernen. Dafür gebe es jetzt das Internet. Und Geld sei in dieser Altersgruppe knapp. Sind Benzin- und Handy-Rechnung bezahlt, bleibe meistens keine „Knete“ mehr für Feten übrig. Gleichzeitig sind für den Eigentümer die Kosten durch Auflagen wie beispielsweise den Sicherheitsdienst gestiegen. Ab Juli muss er außerdem ein Rauchverbot durchsetzen. Uwe Müller will das 5000 Quadratmeter große Gelände deshalb verkaufen. Doch die Verhandlungen mit einem Investor gestalteten sich zäh. „Wir hoffen, die Sache bis zum Jahresende über die Bühne zu haben“, erklärt er. Eine Disco an anderer Stelle aufmachen? Müller winkt ab. Seit acht Jahren haben die Betreiber auch die Kneipe „Pub“ an der Schützenstraße gepachtet. „Das machen wir weiter. Zunächst nur noch“, schiebt er zusätzliche Pläne beiseite. Wenn das jwd schließt, wollen die Jugendlichen selber Disco machen. Veranstaltungen, wie sie beispielsweise die Katholische Jugend an St. Konrad anbietet, stießen bei den Teens auf wenig Interesse. „Die suchen einen pädagogen-freien Raum, wo sie in Ruhe ihr Bier trinken, abzappeln und Musik hören können“, kennt Andrea Nowak (Jugendförderung) die Wünsche. Das jwd war für die unter 18-Jährigen ein „kuscheliger In-Treff“. Das habe eine Umfrage des Jugendparlaments ergeben. Deshalb schmieden die Mitglieder jetzt Pläne für eine Disco im Area 51. Der Veranstaltungsort galt bisher als wenig interessant, da dort kein Alkohol ausgegeben wird. Das könnte sich ändern: „Natürlich müssen wir die Jugendschutzbestimmungen einhalten, doch Gäste ab 16 Jahren werden bei der geplanten Disco Alkohol trinken dürfen“, sagt Nowak. Der Arbeitskreis hat sich schon getroffen.
„Wir peilen insgesamt drei Termine im November, Dezember und Januar an“, blickt sie voraus. Wichtig sei es, die Teens aktiv einzubinden. „Nur maulen, dass nichts los ist, bringt wenig.“
Count Down
Einige Freunde und Gäste des jwd haben nach Bekanntgabe der Schließung spontan gesagt: „Bevor Ihr schließt, bau ich ein Zelt auf und feier durch.“ So entstand das Motto „Drei Tage wach“ zur letzten Freitagsparty, morgen, 21 Uhr (Eintritt drei Euro). Letzte Ü 30 Revival Party ist am Samstag, 21 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro. Das Finale am Sonntag beginnt um 17 Uhr mit einer Reggae-Party. Nach dem Auftritt der Gruppe „Headshop“ wird das EM-Endspiel auf Großleinwand übertragen. Im Anschluss wird gefeiert.
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