Hilden: Fleischgroßhandel Vion erneut durchsucht
VON SUSANNE GENATH - zuletzt aktualisiert: 20.01.2012 - 14:42Hilden (RP). Die Staatsanwaltschaft untersucht zurzeit, ob der Hildener Fleischgroßhändler Rindfleisch aus dem Ausland als deutsches Fleisch ausgegeben hat. Der Betrieb läuft aber weiter, auch der Direktverkauf am Westring. Am Freitagmorgen gab es erneut Durchsuchungen.
"Passion for better food" steht am Eingang des Vion-Werksladens, was übersetzt so viel heißt wie: Leidenschaft für besseres Essen. Vier Tage in der Woche werden hier Wurst, Fleisch und Fisch verkauft.
Am Donnerstag hatte das Geschäft wie gewohnt geöffnet. Und die Kunden kamen – obwohl der Fleischgroßhandel verdächtigt wird, ausländisches Rindfleisch umetikettiert und als deutsches Fleisch weiterverkauft zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zurzeit. Etwa 135 Beamte durchsuchten am Freitagmorgen die Betriebsräume ein zweites Mal. Auch Kühlhäuser wurden überprüft. Dabei wurden nach Angaben der Polizei Beweismittel sichergestellt.
Vion in Hilden
150 Beamte von Polizei, Staatsanwaltschaft und Zoll hatten am Dienstag bei einer Razzia die Räume von Vion durchsucht.
In Hilden arbeiten rund 600 Frauen und Männer für den Fleischgroßhändler mit Hauptsitz im niederländischen Eindhoven.
Der Werksverkauf am Westring 21 ist dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 9 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet.
Wer beim Einkauf doch etwas verunsichert war und sich nach der Qualität des Fleisches erkundigte, erhielt die Auskunft, dass man die Ware ohne Bedenken essen könne und dass die Angaben auf den Etiketten korrekt seien.
Rachefeldzug von Mitarbeitern?
Noch steht nicht fest, ob sich die Vorwürfe bestätigen. Die Mitarbeiter in der Hildener Vion-Zentrale sind schockiert, hoffen aber, dass sie sich als haltlos erweisen. Die Vermutung wird laut, dass es sich um einen Rachefeldzug von Mitarbeitern handeln könnte, die im vergangenen Jahr nach dem Willen der Geschäftsführung ihren Hut nehmen mussten. Glauben schenkt man den Vorwürfen nicht: "Fleisch umzuetikettieren, kann sich so ein großes Unternehmen wie Vion doch gar nicht leisten", heißt es aus der Belegschaft.
Erst im vergangenen Monat hatte es Wechsel in der Geschäftsführung der Vion Hilden GmbH gegeben. "Diese stehen jedoch in keinem Zusammenhang mit den von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfen", erklärte Vion-Pressesprecherin Dr. Anja Kleine-Wilde auf Anfrage unserer Zeitung.
Der Deutsche Tierschutzbund ist zurzeit dabei, mit dem Fleischgroßhändler und der Supermarktkette Coop eine besondere Kennzeichnung mit dem Titel "Tierwohllabel" einzuführen für Mastbetriebe, die ihren Tieren beispielsweise mehr Platz, unterschiedliche Bereiche zum Liegen, Fressen und Koten sowie Beschäftigungsmöglichkeiten mit Stroh bieten. "Unserem Ziel, das Tierwohl in Deutschland nachhaltig zu steigern, sind wir damit einen großen Schritt näher gekommen", hatte Norbert Barfuß, Hauptgeschäftsführer von Vion Germany, im vergangenen Sommer öffentlich erklärt.
Der Deutsche Tierschutzbund sieht das Label durch die Razzia bei der Hildener Fleischfabrik nicht in Gefahr. "Wichtig ist, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt", sagte Pressesprecher Marius Tünte der RP. Weil das Label bislang noch nicht vergeben worden sei, mache man sich keine Sorgen, dass die Überprüfung von Vion irgendwie mit dem Label in Verbindung gebracht werden könnte.
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