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Hilden: Flucht endete im KZ

VON SEBASTIAN BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 03.02.2007

Düsseldorf (RPO). Ihr Schwiegervater schenkte der Stadt 1902 die silberne Ratsglocke. 1940 versuchte die Jüdin Erna Kaufmann – wie ihre Söhne – vergeblich in die USA zu flüchten. Seit gestern erinnert ein Stolperstein an ihr Schicksal.

Hannah Stiehl legte am Stolperstein von Erna Kaufmann eine Blume nieder. Sie hat die Geschichte der Frau mit rekonstruiert.  Foto: RPO
Hannah Stiehl legte am Stolperstein von Erna Kaufmann eine Blume nieder. Sie hat die Geschichte der Frau mit rekonstruiert. Foto: RPO

Eine goldene Plakette vor dem Springbrunnen am Fritz-Gressard-Platz markiert seit gestern die Stelle, an der Erna Kaufmann bis zu ihrer Flucht in die Niederlande wohnte. Vier Schüler des Helmholtz-Gymnasiums haben das Leben der Jüdin im Stadtarchiv rekonstruiert. „Für uns ist das inzwischen weitaus mehr als ein Stein“, sagte Julius Hollweg, der sich intensiv mit dem Zweiten Weltkrieg befasst hat. Seine Mitschülerin Christine Reiners freute sich, dass gestern so viele Menschen der Steinverlegung beiwohnten. „Und diese Menschen kennen Erna Kaufmann doch gar nicht. Das ist wirklich beeindruckend.“

Angesehener Geschäftsmann

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Heute nur eine Kopie

Im Jahre 1987 schrieb Carl Kaufmann an die Stadt Hilden und bat um Rückgabe der silbernen Ratsglocke. Sie sei auch eine Erinnerung an „die geliebte alte Heimat Hilden.“ Im Gegenzug bot er an, eine neue zu stiften.

Ein Ratsmitglied brachte die Glocke bei einer Privatreise nach Santa Rosa in Kalifornien.

Nicht nur die goldene Tafel erinnert im Hildener Stadtbild an das Leben der jüdischen Familie Kaufmann. An der Mittelstraße 7-9 steht heute noch das Haus, in dem der Schwiegervater von Erna Kaufmann gelebt hat. Die Initialen „JK“ an der Fassade stehen für Jonas Kaufmann. Der angesehene Geschäftsmann war Mitglied des Rates und stiftete 1902 der Stadt – anlässlich der Eröffnung des Rathauses an der Mittelstraße – die silberne Glocke, die 85 Jahre lang genutzt wurde, um die Ratssitzung einzuläuten.

Sein Sohn Salomon Kaufmann heiratete ein paar Jahre später die im Kreis Lübbecke geborene Erna Löwenstein und erwarb 1911 das Haus Hagdorn an der Benrather Straße, wo heute der Stolperstein liegt. Als er 1935 starb, veröffentlichte die Zeitung einen sehr lobenden Nachruf. „Er muss eine Persönlichkeit gewesen sein, denn 1935 schrieb man nicht mehr solche Nachrufe für Juden“, sagt Anita Ellsiepen, die die Verlegung der Schlusssteine organisiert.

In dieser Zeit spürte die Familie Kaufmann die ersten Auswirkungen der Judenverfolgung: Aufgrund der Beschränkungen liefen die Geschäfte schlecht und die Söhne mussten 1935 die Firma aufgeben. Sie gingen in die Niederlande und von dort in die USA. In der Pogromnacht blieb Erna Kaufmann zwar verschont, aber einen Monat später beschloss der Rat, dass das Grundstück der Familie in den Besitz der Stadt gehen solle. Im Januar 1939 verkaufte Erna Kaufmann das Gebäude und zog nach Amsterdam. Das Geld musste sie fast komplett als so genannte Reichsfluchtsteuer wieder abgeben. In den Niederlanden hoffte sie, den Deutschen entkommen zu sein.

Ermordet in Sobibor

Es kam anders: 1940 marschiert Hitler in die Niederlande ein. Erna Kaufmann versucht, auf dem Seeweg in die USA zu kommen, wo ihre Söhne leben. Doch den Flüchtlingen wird die Einreise verweigert und sie müssen in die Niederlande zurückkehren. Von dort wird Erna Kaufmann 1943 ins Konzentrationslager Sobibor deportiert und am 23. Mai 1943 ermordet.

Quelle: RP

 
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