Hilden: Frühaufsteher mit flinken Händen
VON DANIEL OELBRACHT - zuletzt aktualisiert: 25.11.2006Düsseldorf (RPO). Die RP stellt in einer neuen Serie Menschen vor, die nachts arbeiten, wenn alle anderen schlafen. Unser Mitarbeiter schaute den fast 20 Beschäftigten in der Backstube der Bäckerei Schüren über die Schulter. Ihr Arbeitstag beginnt um 0.30 Uhr.
Mehlstaub liegt in der Luft, Hitze strahlt von den Öfen herüber, im Hintergrund dudelt ein Radio, das man wegen der dauernd laufenden Getreidemühle jedoch kaum hört. Thomas Sauer greift zu einer Flasche Mineralwasser und trinkt einen großen Schluck. Wenn andere nach den Spätnachrichten den Fernseher ausschalten, beginnt für ihn die Arbeit. Als Teigmacher der Bäckerei Schüren steht er schon ab halb eins in der Backstube am Mühlenbachweg und bereitet die verschiedenen Teigsorten für die Produktion vor. Mit einem überdimensionalen Messbecher misst Sauer die Zutaten ab und wirft die Knetmaschinen an.
Fünf Tonnen Teig täglich
Bäckerei Schüren
Tradition 101-jährige Firmengeschichte, Beginn in Haan mit Backstube von Robert Schüren an der Flurstraße, Vollwertprogramm initiiert durch Christel Schüren, Ehefrau von Roberts Enkelsohn Reiner. Inhaber seit 1991 Bäckermeister und Diplombetriebswirt Roland Schüren.
Getreide von zwei Bio-Landwirten aus der Region, die exklusiv für Schüren anbauen.
Filialen 14 in Hilden, Haan, Solingen, Düsseldorf, Wuppertal.
Stolze fünf Tonnen Teig gehen täglich durch seine Hände. „Wenn‘s regnet, kann ich auch mittags schlafen. Wenn die Sonne scheint, bleibe ich länger wach“, sagt der kräftige Teigmacher. Für ihn gingen die Uhren eben anders. Nur zwei Stunden später beginnt auch für die meisten anderen Gesellen und den Meister und Produktionsleiter Michael Bajorat in der Backstube die Arbeit. Nur die Konditoren, die kommen eine halbe Stunde später.
Bajorat und zwei Kollegen formen Brote. Nicht 20, nicht 50, sondern hunderte. Aus Sauer-, Klassik-, Graubrot- und Bioteig, mit geübten Handgriffen, mit jeder Hand einen Laib, stundenlang. Zwischendurch ein seltener Griff zur Kaffeetasse. Bajorat atmet tief durch, blickt zu den Regalwagen mit Laibern, zählt sie durch und schiebt den Wagen zu Jose Perez. Der Ofenführer hat die Gärschränke und Anzeigen der neun gasbefeuerten Ofenkammern immer im Blick. „Früher an der Flurstraße in Haan ging das alles nach Gefühl“, sagt er, „heute piepst es.“ Prompt piepst es – eine Ladung Karrenräder ist fertig. Während einem der typische Duft in die Nase steigt und die Lust auf ein Frühstück weckt, sagt Perez bloß: „Das nehme ich nur wahr, wenn ich aus dem Urlaub zurück bin.“
Thomas Schneider und Lehrling Andreas Kindel belegen Focaccia, eine runde Backware belegt mit Oliven, Rosmarin, Oregano und Knoblauchöl. „Die Aufgaben sind klar verteilt, jeder weiß, was er zu tun hat“, stellt Schneider mit Blick auf das Treiben fest.
Nach dem Hinweis auf die Hitze in der Backstube stellen der Geselle und der Azubi unisono fest: „Im Sommer ist es extrem heiß, weil es da fast immer über 30 Grad sind.“ Da sei jeder froh, wenn er mal kurz in den Froster dürfe – einem Raum, in dem einige Backwaren abgekühlt werden.
Wenige Meter weiter belegen Michael Gehrke und Friedemann Bendig ganze Bleche von Kuchenböden mit Apfelstücken. Die beiden Konditoren sagen, der Aufwand, der bei Schüren betrieben werde, sei schon enorm. „Alles wird von Hand gefertigt. Das merkt man aber auch beim Geschmack.“ Durch ihre Hände gehen auch unter anderem Stollen, Gebäck und Kuchen. Wegen Zimt, Schokolade und Anis sei er überhaupt erst Bäcker geworden, sagt Bendig und lacht. „Vielfältig lieben es die Kunden. Also fertigen wir über 20 verschiedene Brötchensorten von der Müslistange bis zum Milchbrötchen“ bemerkt Stefan Fischer. Doch normale Brötchen seien trotzdem ein Dauerbrenner, täglich würden über 10 000 Stück gebacken.
Erste Lieferung an Kaserne
Die erste Lieferung geht zur Kaserne nach Hubbelrath, die zweite zur Hildener Waldkaserne. Gleich verarbeitet werden einige der Brötchen dagegen von Brigitte Röhle und Hannelore Mietke, die sich zum Beispiel darum kümmern, dass die Filialen morgens schon die ersten belegten Brötchen in den Auslagen haben, dass Toast geschnitten wird und Tortenböden verpackt werden.
Inzwischen ist es kurz nach sechs Uhr, vor der Tür des Backstubenladens tauchen gleich die ersten Kunden auf. Bedient werden sie heute von Angelika Schrill, Annette Pohlmann und Azubi Julia Reinartz. Neben Verkauf, Beratung und einem netten Lächeln übernehmen sie auch die Telefonzentrale. „Wenn Kunden im Laden stehen, müssen Anrufer warten“, sagt Schrill.
Kurz darauf trifft auch Inhaber Roland Schüren ein, während in der Backstube nebenan schon für den nächsten Arbeitstag vorbereitet wird. „Heute sind wir früh fertig. Sind noch Ferien“, stellt Michael Bajorat fest. In wenigen Stunden hat auch er Feierabend - wenn man das denn angesichts der Uhrzeit so nennen kann.
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