Haan: Frühwarnsystem einrichten
zuletzt aktualisiert: 16.02.2009Düsseldorf (RPO). Interview Mit einem Begrüßungspaket möchte das Jugendamt früh den Kontakt zu jungen Eltern knüpfen. Für den verbesserten Kinderschutz soll jetzt ein Netzwerk von Fachleuten und Institutionen geknüft werden.
Die Stadt will ein Frühwarnsystem aufbauen, um bei Vernachlässigung von Kindern frühzeitig eingreifen zu können. Darüber sprach RP-Redakteur Ralf Geraedts mit der Jugenddezernentin Dagmar Formella.
"Kinder schützen – Familien unterstützen" haben Sie als Name für das Projekt gewählt. Was steckt dahinter?
Formella Als ich Ende 2006 nach Haan kam, dachte ich, Probleme mit vernachlässigten Kindern gebe es nicht. Mittlerweile weiß ich es besser. Probleme tauchen in allen Gesellschaftsschichten auf. Die Zahl der Akten bei der Staatsanwaltschaft ist nicht gering. Zum Glück ist noch nichts Schlimmes passiert. Aber wir müssen dringend handeln. Es ist wichtig, ein Netzwerk zu knüpfen, das früh Informationen liefert, wenn es Kindern nicht gut geht.
Es gibt doch den Bezirkssozialdienst des Jugendamtes. Reicht der nicht aus?
Formella Die Sozialarbeiter gehen jedem Hinweis nach, suchen die Familien auf, führen Gespräche und versuchen zu helfen. Im Jahre 2007 hat der BSD 18 Kinder aus Familien herausgenommen, die mit ihrem Nachwuchs nicht mehr klarkamen. Der Ansatz der Prävention ist, getrennt vom BSD, zu einem früheren Zeitpunkt zu leisten. Wenn es gelingt, auch Ärzte und Hebammen oder Kindergärten und Schulen noch stärker zu sensibilisieren, dann würde der Schutzaspekt für Kinder um so größer.
Manche Städte haben ein Begrüßungspaket geschnürt, um nach der Geburt eines Kindes Familien kennenzulernen. In Haan wurde bereits darüber gesprochen. Wie ist der Stand der Dinge?
Formella Wir haben noch kein Begrüßungspaket, würden aber gerne eines packen. Das Angebot könnte als konsequenter Besuchsdienst eingerichtet werden. Die Besuche sollen sicherstellen, dass junge Familien Informationen und bedarfsgerechte Förder- und Unterstützungsangebote erhalten. Wenn ich keine Prävention leiste, erreiche ich nur die Extremfälle und viele Kinder und Familien werden alleine ohne Hilfe gelassen und haben somit keine Chance. Allerdings gibt es im Jugendamt derzeit keine freien Kapazitäten, bei Sponsoren für Inhalte zu diesem Paket zu werben und den Besuchsdienst zu übernehmen. Mit einer halben Stelle wollen wir den Einstieg finden. Die Verwaltung plant, eine momentan beurlaubte Fachkraft nach ihrer Rückkehr mit der neuen Aufgabe zu betrauen. Bei den Stellenplanberatungen wird die Verwaltung darüber hinaus eine weitere halbe Stelle für den Bezirkssozialdienst vorschlagen.
Nachdem in Hilden das Frühwarnsystem eingerichtet worden ist, stieg die Zahl der Fälle enorm an, was auch finanzielle Folgen hatte. Sind Sie darauf eingerichtet?
Formella Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Träger der öffentlichen Jugendhilfe für eine ausreichende Ausstattung der Jugendämter sorgen muss.
Wie soll das Frühwarnsystem aufgebaut werden?
Formella In enger Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren muss eine Angebotsstruktur entwickelt werden, die eine gesunde und geborgene Gestaltung der ersten Lebensjahre eines Kindes gewährleistet. Das Zusammenspiel von Fachleuten und Institutionen eröffnet im Interesse von Kindern neue Chancen des Aufwachsens in gemeinsamer Verantwortung. In einer Fachtagung am 16. März werden Kinderärzte und Gynäkologen, Beratungsstellen für Schwangere und Familie, Hebammen, Einrichtungen der Familienbildung, Kindergärten und Schulen hierzu erste konzeptionelle Überlegungen anstellen. Wir erwarten rund 80 Teilnehmer.
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