Haan: Gefleckt und farbig im Vogelnest
VON RALF GERAEDTS - zuletzt aktualisiert: 03.04.2010Düsseldorf (RPO). Die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt beobachtet mit Sorge den abnehmenden Bestand von Kiebitz und Feldlerche. Aktuell konzentrieren sich die Vogelfreunde auf ihr Spatzenprojekt. Schmetterlingswiesen im Stadtgebiet sollen das Futterangebot aufbessern.
Die Feldlerchen singen seit einigen Tagen bei ihren Flügen über den Feldern im Bereich Kriekhausen. Auf dem Hochplateau südlich der Millrather Straße können auch wieder die akrobatischen Flüge des Kiebitz beobachtet werden. Um beide Vogelarten, die jetzt auf den Ackerflächen ihre Nester bauen und die zur Tarnung gefleckten Eier legen, sind die Naturschützer besorgt. Für ein weiteres "Sorgenkind", den Hausspatzen, läuft jetzt in Haan ein Hilfsprojekt an. In Abstimmung mit Stadtgärtner Peter Kannemann werden Teile öffentlicher Grünflächen als Schmetterlingswiese eingesät. Zugleich ist eine Spatzenzählung im Stadtgebiet angelaufen.
Sigrid van de Sande, die sich bei der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (AGNU) zusammen mit ihrem Ehemann Joop um die Feldvögel kümmert und auch das Spatzenprojekt betreut, sieht im Vogelbestand auch einen Indikator für den Zustand der Landschaft. Früher verbreitete Vogelarten wie Braunkehlchen, Goldammer oder Gartenrotschwanz existierten kaum noch. Für die Feldlerche, die bis zu einer Stunde singend durch die Luft fliegen kann, und den Kiebitz werde der Lebensraum eng.
Spatzenzählung
Die AGNU hat das Stadtgebiet in Planquadrate eingeteilt.
Nach dem Zufallsprinzip werden Quadranten ausgewählt und dort bis Mai bei einem Spaziergang die Spatzen gezählt.
Das Ergebnis wird im Herbst überprüft.
Weitere Zählungen in den nächsten Jahren zeigen dann auf, wie sich die Bestände entwickelt haben.
Wer mithelfen möchte, wende sich an Joop und Sigrid van de Sande unter Tel. 02129 32115.
Durch den Amada-Bau seien die Hochplateau-Flächen südlich der Millrather Straße nahezu halbiert worden. Die Folge: Die Zahl der Kiebitz-Brutpaare, früher vier bis sechs, sank deutlich auf jetzt nur drei. Das liegt zum Teil auch daran, was die Landwirte auf ihren Feldern anbauen. "Wenn der Kiebitz kommt, wählt er sich braune Ackerflächen aus", weiß Sigrid van de Sande. Bei Kriekhausen sei aber gerade Wintergetreide angebaut worden, so dass die Flächen schon grün sind. Auch die bislang stabile Kiebitz-Population im Südwesten Mettmanns sei geschrumpft. "Wir haben einen dramatischen Einbruch", sagt van de Sande. "Um so wichtiger ist es, dass die Flächen in Kriekhausen erhalten bleiben." Gelingt es nicht, den bedrohten Kiebitz umzusiedeln, dann werde gemäß Europäischen Rechts eine Verwirklichung des zweiten Gewerbegebiets-Bauabschnittes kaum möglich werden, weiß die Naturschützerin.
Zum Glück für die Feldlerche lassen manche Bauern einige rechteckige Flächen mitten auf den Felder unbebaut. Drei bis vier dieser "Lerchenfenster" je Hektar seien nötig, um den Feldlerchen die – sowieso schwache – Chance zu geben, ihre Bruten durchzubringen. Der Aufruf der AGNU, Vorkommen des Hausspatzes zu melden, hatte eine große Resonanz. Mehr als 100 Meldungen sind eingegangen. Die AGNU hat auf einer Karte die Punkte markiert und hat jetzt angefangen, die Population zu zählen. Dem kleinen Vogel, dem wie vielen anderen Brutplätze in Dächern fehlen, für den es in den oft sehr aufgeräumten Gärten keine Futter-Insekten und Schlupfwinkel mehr gibt, soll jetzt geholfen werden. Einige Grünflächen, aber auch Vorgärten und Gewerbegrundstücke sollen sich mit einer Wildblumen-Saatmischung in Schmetterlingswiesen verwandeln. Durch die Insekten, die sich dort einfinden, hätten Spatzeneltern das richtige Aufzuchtfutter für den Nachwuchs.
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