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Haan: Glücksfall für die Gemeinde

VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 15.07.2008

Düsseldorf (RPO). Herbert Cornelius kümmert sich seit sechs Jahren ehrenamtlich um die Immobilien der Evangelischen Kirchengemeinde Haan. Der erfahrene Ingenieur leitete Großprojekte wie die Sanierung des Leipziger Bahnhofs.

Info

Ehrenamt

Aufgabe Herbert Cornelius berät den Bauausschuss der Evangelischen Kirchengemeinde und betreut ehrenamtlich die kirchlichen Liegenschaften.

Immobilien Der Evangelischen Kirche Haan gehören rund 20 Immobilien (Kindergärten, Gebäude etc.).

Kosten Für den Unterhalt ihrer Immobilien wendet die Evangelische Kirchengemeinde nach Angaben von Cornelius rund 150 000 Euro pro Jahr auf.

In den vergangenen acht Wochen war Herbert Cornelius täglich in der evangelischen Kirche zu finden. Der 65-jährige Bauingenieur begleitete ehrenamtlich die aufwändige Sanierung des Gotteshauses. „Man muss sich täglich bei den Handwerkern auf der Baustelle sehen lassen, aber nicht zu festen Zeiten“, erzählt der erfahrene Bauleiter mit einem Augenzwickern: „Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.“

Baugerüst abnehmen lassen

Für die Evangelische Kirchengemeinde ist Cornelius ein Glücksfall, freut sich Pfarrer Frank Weber. Der Routinier mit über 30 Jahren Berufserfahrung leitete schon Riesenbaustellen wie die Komplettsanierung des Leipziger Bahnhofs für über 380 Millionen Euro und mit mehr als 400 Bauarbeitern. Deshalb war die zwei Monate dauernde Sanierung der 1864 eingeweihten Kirche für den Baufachmann keine echte Herausforderung. Trotzdem ging Cornelius mit der gebotenen Vorsicht zu Werke. Der Kirchturm musste eingerüstet werden. Bevor ein Arbeiter das Gerüst betrat, ließ es der Bauleiter von der Bauberufsgenossenschaft abnehmen. „Sicherheit kommt bei mir zuerst“, erzählt der 65-Jährige: „Ich bin nur ehrenamtlicher Mitarbeiter.“ Zu seiner aktiven Zeit musste sich Cornelius schon einmal wegen eines tödlichen Arbeitsunfalls vor Gericht verantworten. Das hat der Bauleiter, der damals freigesprochen wurde, nie vergessen.

Der gebürtige Österreicher wuchs in Solingen auf und lebt seit 1970 mit seiner Familie in Haan. Der Absolvent der Bergischen Universität Wuppertal kann mit Fug und Recht von sich behaupten, ganz persönlich zum Aufbau Ost beigetragen zu haben. Von 1991 bis 2000 zog Cornelius als Bauleiter von einer Großbaustelle in den neuen Bundesländern zur nächsten und war nur selten zu Hause. Eine harte Zeit für ihn und seine Familie: „Meine Frau wurde in der Stadt angesprochen: Hat das Kind eigentlich keinen Vater?“ Deshalb ging Cornelius mit 59 in den Vorruhestand. Die Evangelische Gemeinde bat den Pensionär, ob er sich nicht um ihre rund 20 Immobilien kümmern könne. „Ich habe mich über das in mich gesetzte Vertrauen und die neue Aufgabe gefreut und eingeschlagen“, erinnert sich der agile Ruheständler. Die Gebäude der Gemeinde seien in einem guten Unterhaltungszustand. Gleichwohl sei man vor unangenehmen Überraschungen nie ganz gefeit, wie sich jüngst bei der Evangelischen Kirche zeigte. Dort wurden nach dem Sturm Kyrill überraschend gravierende Mängel an der Bausubstanz in sechsstelliger Höhe entdeckt.

Gladbach-Fan

Nach Abschluss der Kirchensanierung hat Cornelius auch wieder mehr Zeit für seine Hobbys; ausgedehnte Fahrradtouren durch Mecklenburg-Vorpommern, die alte Heimat seiner Frau Magdalena. Oder die Heimspiele seiner jetzt wieder erstklassigen Fußballmannschaft Borussia Mönchengladbach: „Die spielten früher den schönsten Angriffsfußball“. Und dann ist da auch noch Levke, seine einjährige Enkelin. „Es ist so schön zu sehen, wie Kinder groß werden“, ist Cornelius ein stolzer Großvater. Leider muss sein Sohn mit der Familie jetzt aus beruflichen Gründen von Wuppertal nach Hannover umziehen: „Schade, dass ist ein bisschen weit weg, um sich ständig zu sehen.“

Quelle: RP

 
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