Haan: Großübung in der Schul-Ruine
VON RALF GERAEDTS - zuletzt aktualisiert: 17.04.2010Düsseldorf (RPO). Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Malteser und Technisches Hilfswerk probten am Donnerstag mit mehr als 100 Helfern die Zusammenarbeit. Angenommen wurde eine schwere Explosion. In der Grundschule Mittelhaan wurde sogar ein Feuer angezündet.
Fakten zur Übung
Teilnehmer Drei Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr Haan, DRK Haan, DRK Gruiten, Malteser, Technisches Hilfswerk, Feuerwehr Hilden(im Einsatzleitwagen).
Einsatzlagen werden bei jedem Übungsdienst durchgespielt. Jedes Jahr gibt es eine Großübung.
Ausgearbeitet wurde das aktuelle Szenario von Ulf Dalkmann.
Zum Glück war es nur eine Übung. Aber eine sehr realistische. In der alten Grundschule Mittelhaan ist es – so die Annahme – zu einer schweren Explosion gekommen, die alle Gebäude ringsum erschüttert hat. Das Szenario mit dichtem Rauch überall ist um so bedrückender, als das Gebäude und der Platz wegen der laufenden Abbruch-Arbeiten von Glasscherben übersät sind und in einem Flur sogar ein echtes Feuer lodert.
Der Rauch, der in den Räumen wabert, ist stellenweise so dicht, dass die Retter die Hand nicht vor Augen sehen können. Die Trupps unter Atemschutz kommen gehörig ins Schwitzen – schließlich wiegt allein die Schutzkleidung samt Pressluftflaschen um die 30 Kilogramm. Frauen und Männer arbeiten Seite an Seite, schlagen in den Pavillons mit Äxten und Beilen auf verschlossene Türen ein, hinter denen Verletzte vermutet werden.
Nur ein Zugeständnis an die Übung
Mehr als ein Dutzend Einsatzfahrzeuge hat auf dem Schulgelände Position bezogen. Mit geübten Griffen rollen die Helfer Schläuche aus, die in Sekunden unter Wasserdruck stehen. Die Scherben vor dem Schuleingang zerschneiden einen 15 Meter langen C-Schlauch. "Das kann immer passieren", kommentiert Kurt Knepper, der Beobachtern die einzelnen Übungsstationen erklärt. Wegen der Übung betreten die Atemschutzträger zum Schutz ihrer Ausrüstung gebückt die Baulichkeiten. Im richtigen Einsatz hätten sie sich wegen der Feuerwalzengefahr auf Knieen fortbewegt.
Schauspieltalent der Verletzten
Die stellvertretenden Wehrleiter Mirko Braunheim und Jürgen Müller dirigieren die nach und nach eintreffenden Einheiten und dokumentieren die Abläufe. Im Einsatzleitwagen – den hat die Feuerwehr Hilden wegen seiner Größe für die nötigen Besprechungen ausgeliehen – laufen alle Funksprüche von den drei Löschzügen und den Sanitätseinheiten zusammen. So entsteht nach und nach ein genaues Bild der verheerenden Lage. Drei Tote werden gefunden, acht Verletzte mit Rauchvergiftungen, Brüchen, Prellungen oder Schnittwunden geborgen. Am Behandlungsplatz werden die Opfer vom Notarzt untersucht und von Sanitätern versorgt. Patientenkarten helfen, den Überblick zu bewahren, um Angehörigen Auskunft über den Verbleibihrer Söhne und Töchter geben zu können. Wolfgang Flüchter koordinierte die Transporte in umliegende Kliniken. Jugendfeuerwehr-Mitglieder, denen gruselige Wunden vom DRK-Gruiten geschminkt worden sind, mimen die Verletzten und beweisen Schauspieltalent.
Die Bergungsspezialisten des Technischen Hilfswerkes Haan sind ebenfalls eingebunden. Denn Feuerwehrleute haben im Keller Risse in tragenden Mauern entdeckt und so stützten die THW-Helfer unter Leitung von Tobias Sträßer mit Balken und Streben den Keller ab.
Um 19.25 Uhr, knapp eine Stunde nach der Alarmierung, werten die Einsatzleiter die Lage als "erstmals unter Kontrolle". Weitere 20 Minuten später sind alle Einsatzaspekte durchgespielt und die Übung wird beendet. Nach und nach rücken die Kräfte ab. In gemütlicher Runde steht die Manöverkritik an. Die fällt positiv aus. "Das Zusammenspiel aller Organisation klappt gut. Und alles sah gefällig aus", kommentiert Kurt Knepper.
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