Hilden: Gutachten zu Windrädern
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 13.12.2011Hilden (RP). Der Stadtentwicklungsausschuss hat eine Expertise in Auftrag gegeben. Sie soll zeigen, ob es in Hilden geeignete Standorte für Windkraftanlagen gibt. Bislang gibt es nur inoffizielle Anfragen, noch keinen Bauantrag.
Die Bundes- und die Landesregierung haben die gesetzlichen Vorgaben für die Nutzung von Windenergie geändert. Auch technisch hat sich einiges getan. Moderne Windräder sind heute in der Regel 150 bis 200 Meter hoch und können dadurch an Stellen betrieben werden, die man früher wegen zu geringer Windgeschwindigkeiten ausgeschlossen hat. Das Klimagutachten 2009 für die Stadt Hilden sei deshalb in diesem Punkt veraltet, erläuterte Baudezernentin Rita Hoff im Stadtentwicklungsausschuss.
Aus diesem Grund wünscht sich die Verwaltung eine aktuelle Expertise (Kosten: 12 000 Euro), die nach dem neuesten Stand von Gesetzgebung und Technik feststellt, ob und wo es geeignete Standorte für Windkraftanlagen in Hilden gibt. Damit könne man Windräder nicht verhindern, betonte Hoff, wohl aber deren Bau steuern: "Wir brauchen das Gutachten als Bewertungsgrundlage."
Geeignete Flächen
Das Klimagutachten 2009 für Hilden hat einige Flächen identifiziert, die für Windkraftanlagen geeignet sind. Dort beträgt die mittlere Windgeschwindigkeit mindestens sechs Meter pro Sekunde in 80 Meter Höhe.
Im Bereich Kesselsweier, Elberfelder Straße, Garather Forst und Elbsee stimmen sowohl die rechtlichen als auch die technischen Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Betrieb.
Hinter der südlichen Stadtgrenze zu Langenfeld gibt es größere Flächen, die für Windkraftanlagen geeignet wären.
Flächen an Hildener Stadtgrenze
In Hilden gibt es bislang nur inoffizielle Anfragen von Investoren, noch keinen Bauantrag, sagte Planungsamtsleiter Peter Stuhlträger auf Nachfrage unserer Zeitung. Im Süden von Langenfeld (Reusrath) will ein Unternehmen ein 150 Meter hohes Windrad bauen. Noch ruht der Antrag, weil eine Höhenbegrenzung von 100 Metern gilt. Die Frage ist, wie lange noch.
Die Stadt Langenfeld will deshalb noch in diesem Jahr ein neues Gutachten zu möglichen Windkraftstandorten in Auftrag geben, weiß Stuhlträger. Geeignete Flächen sind heute bereits im Norden Langenfelds unmittelbar an der Stadtgrenze zu Hilden im Hildener Süden ausgewiesen.
BA/CDf und Freie Liberale (FL) lehnten das Gutachten aus grundsätzlichen Erwägungen ab. "Das Gutachten ist überflüssig und kontraproduktiv. Damit machen wir ein ganz gefährliches Fass auf", meinte Dr. Heimo Haupt (FL). Investoren werde geradezu der Weg geebnet, fürchtete Dr. Peter Schnatenberg. "Wir machen kein Tor auf", hielt Birgit Alkenings dagegen: "Das Tor ist bereits offen, wir versuchen, es wieder ein Stück weit zu schließen." Tabus für Windräder seien jetzt nur noch der Allgemeine Siedlungsbereich und Naturschutzflächen, erläuterte die Baudezernentin. Überall sonst dürften Windkraftanlagen planungsrechtlich gebaut werden – selbst im Landschaftsschutzgebiet.
Ein unerwünschtes Baugesuch kann ein Jahr zurückgestellt werden. Hoff fürchtete, dies werde nicht reichen, um einen Teilflächennutzungsplan aufzustellen, um damit Standorte für Windräder auszuweisen und damit an anderer, unerwünschter Stelle zu verhindern. In Süddeutschland gebe es bereits Windräder, die von Autobahnraststätten als Werbeträger errichtet worden seien.
Mit Ausnahme von BA/CDf und Freien Liberalen stimmten alle anderen Fraktionen für ein neues Gutachten zur Windkraftnutzung in Hilden.
Hintergrund im Internet unter www.rp-online.de/hilden
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