Haan: Haaner baut Schule in Afrika
VON RALF GERAEDTS - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009Düsseldorf (RPO). Ciré Balde kam 1987 aus Guinea nach Deutschland. Vor zehn Jahren gründete er einen Verein, um Kindern in Westafrika Chancen für Bildung zu eröffnen. Seit 1990 lebt der heutige Übersetzer in Haan.
Wenn heute Abend die große Familie im Haus an der Dieker Straße zusammenkommt, wird Ciré Balde Lammspieße mit Kräutern, Schafskäse, Salzkartoffeln und afrikanisches Wurzelgemüse servieren. Der 57-jährige stammt aus Guinea, lebt seit 23 in Deutschland, ist seit 19 Jahren mit Christa Maerzke-Balde verheiratet und besitzt seit neun Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Der gelernte Zerspanungsmechaniker, Technik-Lehrer und heutige selbstständige Übersetzer aus dem westafrikanischen Land hat 1999 den Verein "Hilfsaktion für Guinea" gegründet. Beim ökumenischen Pfarrgemeindefest, beim Trödelmarkt, bei Schulfesten und in privaten Aktivitäten versuchen die zwei Dutzend Vereinsmitglieder, unter dem Motto "Haan hilft Kantalabé", Geld zu erwirtschaften. Ziel ist es, die Grundschule aus dem Jahr 1929 zu sanieren, die Ciré Balde vor fünf Jahrzehnten in Mittel-Guinea selbst besuchte.
"Mein Land hat 1987 einen Lehrer verloren. Das muss ich wieder gutmachen", sagt Balde. Er hatte das Glück, dass sein Vater im Zweiten Weltkrieg die Bedeutung von Bildung erkannt hatte und seine Kinder nach der Rückkehr zur Schule schickte. "Ohne Bildung ist ein Mensch hilf- und machtlos", sagt der Vater zweier Töchter. Maimuna (19) steht vor dem Abitur, das auch Madina (16) anstrebt. In den Herbstferien musste Familie Balde erkennen, dass ihr Einsatz für die Menschen in Guinea wichtig, zugleich aber schwierig ist. Wegen Unruhen in dem von einer Militärdiktatur beherrschten Land – trotz reicher Bodenschätze eines der ärmsten der Welt – mussten sie ihre Reise absagen.
Zuletzt ließ Ciré Balde an der Schule, zu der er früher täglich barfuß elf Kilometer laufen musste, Türen und Fenster aus Metall neu anfertigen. Denn die hölzernen Bauteile blieben sonst immer nur bis zur nächsten Regenzeit in den Mauern. Wenn nämlich die Schule von Juli bis September geschlossen ist, nutzen Nachbarn das Holz als Brennholz zum Kochen. Oftmals suchten Schafe und Kühe Unterschlupf in den ungenutzten Klassenräumen. 2002 wurde das Wellblechdach der Schule erneuert, die von 600 Kindern aus einem Umkreis von 25 Kilometern besucht wird. Mehr als 13 000 Euro hat der Verein schon aufgebracht und in direkte Hilfe vor Ort umgesetzt.
1987 erhielt Balde ein Stipendium von der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung und wollte sich in Deutschland weiterbilden. Nach einem intensiven Sprachkursus lernte er Schweißen und wurde zum Maschinenbautechniker und später zum technischen Zeichner weitergebildet. In Solingen lernte er seine dort als Krankenschwester tätige Frau Christa, eine Haanerin, kennen.
1996 – in den Nachbarländern Guineas, Liberia und Sierra Leone herrschte Krieg und viele Einwohner flüchteten nach Westeuropa – gab es die erste Anfrage eines Übersetzungsbüros. Ciré Balde beherrscht Deutsch, Französisch(Amtssprache Guineas) und die Dialekte Malinke (Sprache der Mutter), Fulla (Sprache des Vaters) sowie Soussou. Inzwischen arbeitet er bundesweit als Übersetzer, auch für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, und ist vereidigter Dolmetscher im Bereich des Oberlandesgerichtes Düsseldorf.
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