Haan: Hallenbad am Scheideweg
VON RALF GERAEDTS - zuletzt aktualisiert: 29.09.2011Haan (RP). Die Stadtwerke sollen die Vorbereitung zur Übernahme des Bades Alter Kirchplatz abbrechen. Der Umfang der nötigen Sanierungen übersteigen den Gebäudewert. Jetzt soll eine Grundsatz-Debatte geführt werden.
Die zum 1. Januar 2012 geplante Übertragung des Stadtbad-Betriebes auf die Stadtwerke Haan GmbH soll gestoppt werden. Diesen Vorschlag macht die Verwaltung zur nächsten Sitzung des Schul- und Sportausschusses am Mittwoch, 5. Oktober (17 Uhr, Rathaus). Grund: Der Umfang der nötigen Sanierungsarbeiten übersteigt den Buchwert des Gebäudes.
Damit funktioniert das Konzept nicht mehr, wonach die Stadt den Stadtwerken das Gebäude und den Betrieb überträgt und der Versorger Verluste aus dem Betrieb steuermindernd verrechnen kann. Die Stadtwerke sollen alle Vorbereitungen zur Badübernahme zunächst einmal abbrechen.
Debatte – offen im Ergebnis
Blockheizkraftwerk
Seit Mitte August produzierte der Sechs-Zylinder-Erdgas-Motor im Schwimmbadkeller rund 70 000 Kilowattstunden Strom.
Das Aggregat läuft Tag und Nacht, selten unterbrochen für kurze Wartungen. Mit der Abwärme des Motors wird geheizt.
Nahezu der gesamte Bedarf an Strom und Wärme konnte von dem Blockheizkraftwerk (BHKW) gedeckt werden.
Bevor zusammen mit den Finanzbehörden neue Wege gesucht werden, soll in Haan erst eine Entscheidung zur zukünftigen Ausrichtung eines Badangebotes getroffen werden. Die grundsätzliche Debatte soll offen im Ergebnis sein, könnte die Sanierung des vorhandenen Bades ebenso umfassen wie den Bau eines neuen, am aktuellen Bedarf ausgerichteten Bades.
"An eine Schließung ist nicht gedacht", betonte Bürgermeister Knut vom Bovert auf Anfrage. Der Badebetrieb werde so lange aufrecht erhalten, bis eine Entscheidung vollzogen ist. Der Sanierungsumfang, stellte der Verwaltungschef klar, komme nicht überraschend. Schon seit langem ist bekannt, dass das Schwimmbecken abgedichtet werden muss und die Fußbodenheizung zu erneuern wäre. Auch die Dachkonstruktion ist nicht dicht. Unter dem Strich summiert sich der Sanierungsstau auf 5,6 Millionen Euro, 1,6 Millionen mehr als die Summe, mit der das Bad in den Büchern steht.
BHKW-Bau war trotzdem sinnvoll
In den Sommerferien bauten die Stadtwerke ein Blockheizkraftwerk und eine neue Heizung für 130 000 Euro in den Schwimmbadkeller ein. Diese Investition diene dem verlässlichen Betrieb, sagte Peter Barthel, technischer Betriebsleiter der Stadtwerke, und sei insofern sinnvoll gewesen. Die alte Heizung war sehr störanfällig, das früher vorhandene BHKW seit Jahren demontiert.
Die exakte Prüfung des Bad-Zustandes sei deshalb veranlasst worden, damit nach einer Übertragung der tatsächliche Zustand des Bades nicht zum Vorwurf gemacht worden wäre, meinte Knut vom Bovert im RP-Gespräch. Sanierungsmittel sind im Haushalt nicht vorgesehen. Lediglich zur Reparatur eines fehlerhaften Dachaufbaus, für Fußbodenabdichtungen und zur Beseitigung von Dachundichtigkeiten ist laut Haushaltsplan 2011 eine Rückstellung von 355 000 Euro für 2013 gebildet worden.
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