Hilden: Hartz VI für Kinder zu wenig
zuletzt aktualisiert: 01.02.2010Düsseldorf (RPO). Yorck-Peter Wolf erlebt die Auswirkungen der Armut an jedem Monatsende: "Dann klopfen vor allem Alleinerziehende Mütter, die von Hartz IV leben, bei der Kirche an, weil ihnen das Geld ausgegangen ist", sagt der evangelische Pfarrer.
Auch Hubert Bader, Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM), der die Hildener "Tafel" und die Schuldnerberatung betreibt, weiß: "Mit Hartz IV auszukommen ist schwer. Und wehe, es passiert Unvorhergesehenes." Etwa wenn die die hohen Heizkosten dieses kalten Winters zu Buche schlagen oder notwendige größere Anschaffungen anstehen. Insbesondere die Hartz VI-Sätze für Kinder müssten "anders gestaltet werden", sagt Bader. Sie würden von den Erwachsenensätzen "runtergerechnet" und trügen der Realität keine Rechnung. So ließen sie etwa außer Acht, dass Kinder wegen ihres schnellen Wachstums öfter neue Kleidung und Schuhe bräuchten.
Stellen, die helfen
Kinderschutzbund "Offener Kleiderschrank", Schulstraße 44, dienstags und donnerstags von 9.30 bis 11 Uhr, dienstags auch von 15.30 bis 17 Uhr. Kontakt: Tel. 02103 396299.
Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM) Mühlenstraße 14, dienstags 16 bis 18 Uhr, freitags 10 bis 12 Uhr. Schuldnerberatung, "Tafel", Kleiderkammer. Kontakt Tel. 02103 20195.
Amt für Jugend, Schule und Sport der Stadt Hilden, Rathaus. Kontakt 02103 72-0 (Zentrale).
Dass in Hilden viele Familien von Armut betroffen sind, wird auch bei der "Hildener Tafel" deutlich. "Pro Ausgabetag haben wir 210 bis 220 Besucher", sagt Bader. Von den 800 ständigen Kunden seien 244 Kinder. Im Jahr 2009 stieg die Zahl der "Tafel"-Kunden um 37 Prozent gegenüber 2008 an.
Bader weiß aus Erfahrung, dass viele Familien "an allem sparen, was geht" und dennoch in die Verschuldung rutschen. Der Trend macht sich auch bei den Fallzahlen der SKFM-Schuldnerberatung bemerkbar. 462 Personen nahmen die Beratung im Jahr 2009 in Anspruch. "Damit ist die Nachfrage gleichbleibend hoch", sagt Bader.
Christa Cholewinski vom Kinderschutzbund Hilden (KSB) glaubt, dass viele Familien Hemmungen haben, Hilfe anzunehmen. Der "Offene Kleiderschrank" des KSB an der Schulstraße 44 ist derzeit gefüllt mit Winterkinderkleidung. Warme Anoraks, Skianzüge und Thermohosen gibt es dort schon für zwei Euro. "Dennoch hält sich die Nachfrage leider in Grenzen", bedauert Cholewinski, die weiß, dass viele Hildener Familien "sehr rechnen müssen". Wer den "Offenen Kleiderschank" nutzen wolle, brauche keinen Berechtigungsschein, betont die KSB-Geschäftsführerin. Und auch in anderen Notlagen helfe der Verein, so gut er könne. "Aber die Menschen müssen auch kommen und keiner muss sich scheuen, Hilfe anzunehmen."
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