Hilden: Hilfe für die Hilflosen
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 20.02.2009Düsseldorf (RPO). 140 kranke und verletzte Kinder aus Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan, Georgien und Armenien wurden von 40 DRK Helfern abgeholt. Sie werden in hiesigen Krankenhäuser – auch in Hilden – behandelt.
Es sind die kleinen Dinge, die anrühren: die lautlos vergossenen Tränen, der scheinbar teilnahmslose Gesichtsausdruck von Kindern, die wie kleine Erwachsene aussehen, betrogen um ihre Kindheit, nur weil sie dort geboren wurden, wo es noch nie richtig Frieden gab. Es sind auch die Kleinigkeiten wie der grob geschnitzte Holzklotz unter der Sohle, der einem kleinen Jungen den orthopädischen Schuh ersetzen soll, oder die nackten Füße, die in ausgetretenen Sandalen stecken, als sie bei Temperaturen um die Null Grad auf dem Düsseldorfer Flughafen deutschen Boden betreten.
58. Hilfseinsatz
140 kranke und verletzte Kinder, die meisten aus Afghanistan, transportierte die Boeing 737-800 der tadschikischen Somon-Air, allein 35 von ihnen werden in Kliniken der Region in den nächsten Wochen kostenlos behandelt. Zwei Jungen wurden direkt vom Flughafen in die Unfallchirurgie des Hildener St.-Josefs-Krankenhauses gebracht, ein weiteres Kind wird ab Anfang März das Haaner Haus des Kplus-Verbundes aufnehmen, wie die Pressesprecherin des Krankenhausträgers, Cerstin Tschirner, mitteilte. Für das Friedensdorf International in Oberhausen ist es der 58. Hilfseinsatz in Afghanistan, und inzwischen sind die DRK-Helfer aus Solingen und Umgebung eine feste Bank geworden. 22 Helfer und ein Notarzt sind es allein aus der Klingenstadt, einige kommen aus Remscheid, Haan, Leichlingen, Hilden. Koordinator Stefan Nippes, Kreisbereitschaftsführer beim DRK Solingen, hatte auch in diesem Jahr keine Probleme, genügend Freiwillige zu finden.
Sie alle warteten am Mittwochabend am Tor 47 am DüsseldorferFlughafen auf das Flugzeug der Somon-Air, der ersten privaten Fluggesellschaft aus der tadschikischen Hauptstadt Dushanbe. Unter ihnen auch Dr. Patrick Vollmann, Notarzt aus dem städtischen Klinikum Solingen. Der 34-Jährige ist in seiner Freizeit gekommen. Schon öfter hat er DRK-Einsätze begleitet.
Mit Blaulicht in die Klinik
Bei der Anfrage von Stefan Nippes, ob er mit nach Düsseldorf kommen könne, musste der Mediziner nicht lange überlegen. "Ich dachte, da kannst du endlich mal was Sinnvolles tun", schildert Vollmann seine Motivation, aber auch seine Gefühle, wenn er mit seinem kleinen Patienten konfrontiert wird: "Ich befürchte, das wird nicht sonderlich schön." Wenig später wird er das schwerkranke, nicht einmal zwei Jahre alte Kind aus Kabul in Empfang nehmen. Als erstes wird es aus der Maschine getragen, mit Blaulicht fährt der Rettungwagen vom Rollfeld in Richtung Minden, wo das Kind jene Behandlung bekommt, die in seinem Heimatland nicht möglich gewesen wäre.
Schon ein alter Hase unter den DRK-Helfern ist Rolf-Dieter Feldmann. Viermal ist er schon für das Friedensdorf gefahren, auch diesmal wird der 67-Jährige wieder zwei Kinder in Empfang nehmen und zur Klinik begleiten. 6480 Kilometer werden die DRK-Helfer insgesamt zurücklegen, um die Kinder in Kliniken zu bringen, wo man sie kostenlos behandelt.
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