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Serie: Wilhelm Fabry (6): Höllenqualen, die Leben retten

VON ULI SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 17.02.2010 - 10:22

Düsseldorf (RPO). Wilhelm Fabry erfand ein Instrument, mit dem er Gewehrkugeln entfernen konnte, und öffnete Schädel, um eingedrückte Hirnschalen anzuheben. Seine Patienten musste er ohne Betäubung operieren. Ein Beißholz, Kräutertinkturen und Alkohol waren die einzigen Erleichterungen.

Operationen in Krankenhäusern sind für uns im 21. Jahrhundert selbstverständlich. Moderne Röntgendiagnostik gehört zum Standard. „Narkose“ und „Antibiotikum“ sind auch medizinischen Laien ein Begriff. Für empfindliche Gemüter dürfte deshalb die Rückschau auf die Anfänge der wissenschaftlichen Chirurgie, für die Wilhelm Fabry die Grundlagen vor über 400 Jahren gelegt hat, nicht unbedingt geeignet sein: Der Wundarzt aus Hilden muss nämlich seine Patienten ohne Betäubung operieren. „Keimfreiheit“ gibt es nicht. Ein Beißholz, Kräutertinkturen und eventuell Alkohol sind die einzigen Erleichterungen bei chirurgischen Eingriffen, denn der Patient muss wach sein.

Das klingt nach Folter und Höllenqualen, rettet aber Leben. Und genau das tut Fabry, obwohl er kein studierter „Medicus“ ist. Trotzdem hat er sich das Wissen von Hippokrates und Galen angeeignet, führt seine genauen anatomischen Studien an Leichen fort, um sich auf Operationen vorzubereiten, und zeichnet alle seine Beobachtungen, lateinisch „Observationes“, auf, um seine Erfahrungen auch an Ärzte-Kollegen weiter zu geben.

Er erfindet ein Instrument zur Entfernung von Gewehrkugeln: Von 1585 bis 1588 muss er in Genf viele Soldaten behandeln. In einem Brief von 1590 an seinen alten Lehrmeister Johann Griffon schreibt er „von einem leichten Weg und Handgriff, die geschossenen Kugeln aus dem Leib zu ziehen.“ Dieses Dokument wird seinen Ruf als Chirurg begründen.

Fabry operiert auch Kopfverletzungen, die durch stumpfe Gegenstände wie Holzkeulen verursacht werden. Dazu muss er Schädel öffnen und eingedrückte Hirnschalen wieder anheben. „Trepanation“ heißt dieses Verfahren, für das er ebenfalls Instrumente entwickelt. So genannte „Trepanationsbestecke“ aus dieser Frühzeit der Chirurgie gehören heute zu den Schätzen des hiesigen Museums.

Der „heiße und kalte Brand“, eine Krankheit, der Wilhelm schon in Jugendjahren in Hilden begegnet ist, wird ihn besonders beschäftigen: Entzündete Gliedmaßen, die im weiteren Krankheitsverlauf verfaulen, führen nämlich zum Tod. Heilung verspricht damals einzig die Amputation. Entfernung von Blasensteinen, Augenoperationen, sogar für Männer damals unübliche Geburtshilfe und Behandlungen von Brustkrebs gehören zu Fabrys Praxis. Außerdem lebt er in Zeiten, in denen Seuchen wie die Pest, Syphilis, Pocken, Schlafsucht und bösartige Fieber grassieren und ganze Landstriche ausrotten. In seinen Schriften bekundet Fabry, dass es eigentlich ein Wunder sei, als behandelnder Arzt ein hohes Alter erreicht zu haben.

Quelle: RP

 
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