Haan: Jazz vom Feinsten
VON FRANK ERKELENZ - zuletzt aktualisiert: 13.11.2006Düsseldorf (RPO). Bei der Hot-Jazz-Night in Haan gaben sich wieder renommierte Musiker ein Stelldichein. Star des Abends: Trevor Richards. Der in Haan beliebte Dauergast hatte bei den „British New Orleans All Stars“ die Elite um sich geschart.
Einmal im Jahr verwandelt sich der Saal im Haaner Gymnasium zur Jazz-Kneipe. Wenn die Hot-Jazz-Night ansteht, geben sich hier international renommierte Musiker ein Stelldichein. Am Samstag war es wieder so weit. Leider waren nur knapp 180 Gäste erschienen. Sie sollten ihr Kommen nicht bereuen, denn es gab Jazz der Spitzenklasse zu hören.
Erste Klasse
Trevor Richards, beliebter Dauergast in Haan, hat bei den „British New Orleans All Stars“ die Elite um sich geschart. Allein Holzbläser John Crocker (als Nachfolger von Monty Sunshine 34 Jahre lang Mitglied bei Chris Barber) ist längst eine lebende Legende – und er bewies sogleich, warum das immer noch so ist, als er „Fine and dirty“ intonierte. Erste Klasse!
Besuch aus Bonn
Volker Albrecht, „Exil“-Haaner mit Wohnsitz Bonn reiste wie in jedem Jahr zur Jazz-Nacht an. Albrecht war schon selbst als Bläser bei der Hot-Jazz-Night im Einsatz und gehört zum Kern der Haaner „CC All Stars“ von Bernhard Theusen.
Das gilt nicht minder für die übrigen Musiker um den weltbesten Drummer seiner Zunft. John Service (Posaune) und vor allem der kleine Enrico Tabasco (Trompete) hätten auch ohne Anlage den letzten Winkel der Aula beschallen können.
Die grandiose Bläsersektion weiß mit Richards sowie Ray Schmidt (Klavier) und Bob Culverhouse (Bass) eine erstklassige Rhythmusgruppe hinter beziehungsweise neben sich, die auch Gelegenheit findet, selbst solistisch hervorzutreten wie bei „S‘ wonderful“ von George Gershwin.
Doch der Star der Truppe ist und bleibt der Chef. Bewundernswert, wie Trevor Richards sich scheinbar teilnahmslos zurücknimmt, um es gleich darauf wieder so richtig krachen zu lassen. In der Tat: „S‘ wonderful“!
Das nicht minder hervorragende Kontrastprogramm lieferten die „Echoes of Swing“. Christian Hopkins, bekannter Pianist (hier als Alt-Saxophonist nicht minder versiert), kündigte „den kammermusikalischen Teil“ des Abends an. Perfekte Arrangements und Virtuosität prägen das Spiel der blutjungen, gleichwohl schon jetzt unglaublich erfahrenen Musiker. Colin Dawson (Trompete) und Hopkins ergänzen sich mit ihren Instrumenten traumwandlerisch, Bernd Lhotsky als Harlem-Stride-Pianist mit der linken Hand zugleich Kontrabass-Ersatz und Oliver Mewes an den Drums sind punktgenaue Rhythmiker.
Schade, dass Teile des Publikums den hochästhetischen Hörgenuss sehr zum Ärger (nicht nur) der Musiker nicht mit der gebotenen Aufmerksamkeit quittierten. Die leiseren Töne der vier kamen zuweilen kaum gegen die „Echoes of Adlerstraße“ an.
Im Formel 1-Tempo
Die Lokalmatadore vom „Haaner Swing Express“ eröffneten die Jazznacht und warteten mit einem neu gestalteten Programm auf. Sehr gelungen „Sweet Georgia Brown“ (excellent im zweistimmigen Holz) und „Honeysuckle Rose“ kam gar im Formel 1-Tempo daher. Guter Job des Regional-Express (bis auf den durchaus verbesserungsfähigen Sound).
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