Haan: Jede Menge Baustellen
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 09.04.2008Düsseldorf (RPO). Verwaltung und Politik streiten seit zwei Jahren über ein Personal- und Organisationsentwicklungskonzept. Jetzt versucht man es mit einem Arbeitskreis mit professioneller Moderation.
Wenn ein Paar in der Krise steckt und nicht mehr miteinander reden kann, hilft mitunter eine professionelle Gesprächstherapie. Das versuchen jetzt auch Verwaltungsspitze und Stadtrat. Seit zwei Jahren streiten Bürgermeister Knut vom Bovert als Chef der 354 städtischen Mitarbeiter und die im Rat vertretenen Fraktionen über ein Personal- und Organisationskonzept für die kommunalen Beschäftigten. 2006 legte vom Bovert ein Konzept vor.
Das stieß bei der Politik auf wenig Gegenliebe. Der Bürgermeister musste nachbessern, fand für seine Vorschläge aber auch im vorigen Jahr keine Mehrheit. Jetzt soll es ein Arbeitskreis aus Politik, Verwaltung und Personalrat mit einem externen Moderator richten. Ein Termin für die erste Sitzung steht noch nicht fest.
Stadtverwaltung
Mitarbeiter 354, davon sind 76 Beamte und 278 Arbeitnehmer, 172 Männer und 182 Frauen.
Personalkosten Im Haushalt 2008 sind 13,8 Millionen Euro (ohne Tariferhöhung) eingeplant.
Arbeitszeit 38,5 Wochenstunden für Arbeitnehmer, 41 Wochenstunden für Beamte.
Hildegard Duncker, seit sechs Jahren Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, brennen mehrere Themen unter den Fingernägeln. In den letzten Jahren häuften Kollegen unkontrolliert Überstunden zum Teil im „vierstelligen Bereich“ an. Seit 1. März wird die Arbeitszeit im Rathaus elektronisch erfasst. Überstunden dürfen nur noch auf Anordnung geleistet werden. Angeordnete Überstunden müssten zurzeit im Tiefbauamt, in der Bauaufsicht, im Gebäudemanagement oder saisonal in der Kämmerei und im Hauptamt geleistet werden – und zwar „reichlich“, so die Personalratsvorsitzende.
Auf Druck der Politik sei in den vergangenen Jahren Personal abgebaut worden. Im Baudezernat beispielsweise wurden zwischen 1994 und 2007 insgesamt 16 Mitarbeiter eingespart. Weniger Bedienstete müssen heute mehr leisten, so die Einschätzung von Duncker. Auch die Politik trage etwa mit Prüfaufträgen das ihrige dazu bei, dass es ständig neue Aufgaben gebe. Folge: Der Krankenstand sei durch die Überlastung hoch. Darüber gebe es aber keine offizielle Liste.
Ein weiterer Knackpunkt: die Raumsituation in der Verwaltung. „Katastrophal“ ist das einzige Wort, das Duncker dazu einfällt. Jede Kammer im Rathaus sei mittlerweile belegt: „Wir haben fünf Stellen ausgeschrieben, wissen aber nicht, wo wir die Leute unterbringen sollen.“ Die EDV-Abteilung kam im Keller unter Heizungs- und Wasserrohren unter. Das Standesamt residiert in einer Abstellkammer. Es gibt keine Besprechungsräume im Rathaus (außer dem Sitzungssaal) und keine Kantine. Das Verwaltungsgebäude an der Alleestraße ist heruntergekommen. „Wir verpulvern mit den alten Verwaltungsgebäuden jede Menge Energie“, sagt Duncker. Die einzige Lösung sei ein Rathaus-Neubau. Dafür fehle angesichts des millionenschweren Sanierungsstaus das Geld.
„In der Verwaltung fehlt ein Wir-Gefühl“, wünscht sich Hildegard Duncker mehr Mitarbeiter-Motivation: „Das sind ungenutzte Ressourcen.“ Die Amtsleiter bräuchten mehr soziale und Führungskompetenz. Daran fehle es an einigen Stellen. Duncker: „Man muss sich nicht lieben, aber man muss miteinander arbeiten können.“ Viel Gesprächsstoff also für den neuen Arbeitskreis.
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