Hilden: Jutta Panke wandert aus
VON D. SCHMIDT-ELMENDORFF - zuletzt aktualisiert: 05.07.2008Düsseldorf (RPO). Die Amtsleiterin Jugend und Sport lässt sich auf ihrer Hacienda im Südosten Mallorcas nieder. Dort will sie etwas Landwirtschaft treiben und als Unternehmensberaterin Kunden in Deutschland betreuen.
Tierfreundin
Jutta Panke engagiert sich auch schon ehrenamtlich auf Mallorca: Bei ihrer Abschiedsfeier wird sie daher um Spenden für „Hunde auf Mallorca“ bitten. Der Verein widmet sich der Vermittlung von Hunden aus dem Tierheim, die in Spanien Tötungsstationen sind. Als Jutta Panke gestern nach Mallorca flog, hatte sie auch Tierzubehör wie Hunde-Leinen im Gepäck. Auf dem Rückweg nimmt sie dann Hunde mit, die erfolgreich an deutsche Tierfreunde vermittelt werden konnten.
Allwöchentlich führt das Fernsehen Menschen vor, die als Auswanderer scheitern – weil sie die Landessprache nicht beherrschen und keine Aussicht auf einen Job haben. Wenn Jutta Panke, bisherige Leiterin des Amtes Jugend, Schule und Sport, nach ihrer Abschiedsfeier am 8. September die Zelte abbricht und nach Mallorca auswandert, betritt sie nicht nur gewohntes, sondern sogar auch eigenes Terrain. Das 8000 Quadratmeter große Grundstück im Südosten der Insel kaufte sie vor zehn Jahren. Sie spricht spanisch, nur die neue Amtssprache Katalanisch müsse sie noch lernen. Im Nachbardorf Campus haben sie und ihr Mann vor acht Jahren geheiratet. Und sie hat bereits ihre festen Anlaufpunkte wie den Friseur und den Bäcker.
Beruflich wird die 49-Jährige an ihre Leitungstätigkeit anknüpfen und als Unternehmensberaterin Supervising, Coaching und Beratung anbieten. Dieses Metier betreibt sie schon seit mehren Jahren freiberuflich. Ihr Kundenkreis umfasse das Management, soziale Organisationen, Kirchen, Vereine und Städte. „Das Interesse an einer Zusammenarbeit ist groß, denn ich habe einen guten Namen“, sagt sie selbstbewusst. In einem nahe gelegenen Kloster will sie Seminare zur Arbeits- und Lebensbiographie für gestresste Zeitgenossen abhalten. Firmensitz ist Mülheim, wo sie im Haus ihrer Mutter noch eine Art deutsche Bastion unterhält. „Ich werde meinen Beruf mit dem Leben verbinden, das ich mir erträume,“ sagt sie.
Warum Mallorca? „Ich habe schon viel von der Welt gesehen, aber Mallorca war für mich wie angekommen sein“, erklärt sie. Es sei diese Luft aus Samt und Seide, die einen empfange, wenn man aus dem Flieger aussteige. Und es war die braune, eisenhaltige Erde, die in ihr verborgene landwirtschaftliche Neigungen entfesselte. Als Erstes möchte sie daher Gemüse für die Selbstversorgung anbauen und den Garten erweitern. Bisher hat sie nur die Mandeln der 80 Bäume umfassenden Plantage selbst geerntet und entkernt. „Eine Schweinearbeit“, sagt sie. Das müssten schon ganz besondere Gäste sein, für die sie drei Stunden Arbeit investiere, um ihnen ein Schälchen Nüsse vorzusetzen, sagt sie lachend.
Auf Mallorca habe sie gelernt, was es heißt, „die Stille zu hören“. Nicht Lautlosigkeit meint sie, sondern Naturgeräusche, die nicht von Verkehrslärm überdeckt werden. „Wenn ich den Ruf des Nachthahns (gallo de la noche) höre, werde ich sofort ruhig“, sagt Panke. Und über dem Haus breite sich nachts die Milchstraße aus – ungetrübt durch das Licht der Stadt. Außerdem habe es ihr die Mentalität der Mallorquiner angetan. Obwohl sie einräumt, das sie sich an die andere Zeitrechnung – morgen = die nächsten Tage – erst habe gewöhnen müssen. „Die machen sich keinen Stress und dennoch funktioniert alles.“
Natürlich gehe sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn das Arbeitsklima in der Verwaltung sei „toll“ gewesen, und sie habe immer den nötigen politischen Rückhalt gehabt.
Aber da ihr Ehemann die Ruhezeit seiner Altersteilzeit schon auf Mallorca verbringt und sie keine Ehe auf Distanz führen wolle, fange sie eben jetzt mit fast 50 Jahren ein neues Leben an. Zuversichtlich sei sie, das ihr wie vor zwölf Jahren, als sie ihre Heimatstadt Mülheim verließ, der Neuanfang auch dieses Mal gelingt.
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