Hilden/Haan: Kirchen vor Dieben gesichert
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 07.01.2012Hilden/Haan (RP). Nach zwei Einbrüchen in St. Konrad und in St. Marien denkt die katholische Gemeinde Hilden über den Schutz ihrer Kirchen nach. In Düsseldorf werden die katholischen Gotteshäuser längst videoüberwacht.
Um Weihnachten brachen Diebe einen Opferstock in der St.-Konrad-Kirche in Hilden auf. Wenige Tage später suchten Einbrecher die St.-Marien-Kirche im Norden der Stadt heim, schlugen zwei Scheiben ein und hatten es auf drei Opferstöcke abgesehen. Die Schäden werden repariert. Die Sache ist für Pfarrer Ulrich Hennes, Leiter der katholischen Pfarre St. Jacobus, damit aber noch nicht erledigt: "Wir müssen uns mit dem Thema Sicherheit beschäftigen." In Düsseldorf werden die 53 katholischen Kirchen der Stadt schon seit vielen Jahren videoüberwacht – um Diebe abzuschrecken. "Darüber haben wir noch nicht nachgedacht", sagte Hennes. "Wir wollen die Kirchen aber auf jeden Fall offenhalten."
Kirchen
Katholische Kirchen in Hilden: St. Jacobus, St. Konrad, St. Marien, St. Johannes.
Katholische Kirchen in Haan: St. Chrysanthus und Daria, St. Nikolaus Gruiten.
Evangelische Kirchen in Hilden: Reformationskirche (Mitte), Friedenskirche, Erlöserkirche.
Evangelische Kirchen in Haan: Evangelische Kirche Kaiserstraße, Dorfkirche in Gruiten.
Sakristeien eigens gesichert
Nach einem Einbruch in die Sakristei von St. Marien vor zwei Jahren wurden die Sakristeien aller vier katholischen Kirchen in Hilden gesichert "wie Fort Knox". In St. Jacobus in der Stadtmitte sei den ganzen Tag über Betrieb. Die vielen Besucher und Ehrenamtlichen hielten Kriminelle fern, glaubt Hennes. In St. Marien im Hildener Norden könnten Besucher den Vorraum betreten. Das Kirchenschiff werde durch ein Gitter abgetrennt. In St. Konrad sperre eine Glasschutzwand die Kirche ab, ermögliche jedoch einen Blick hinein. Gebete seien in einer kleinen Kapelle möglich.
Auch Amtskollege Dr. Reiner Nieswandt, Pastor in Haan, will St. Chrysanthus und Daria sowie St. Nikolaus Gruiten "auf gar keinen Fall" abschließen. Im Januar 2010 hebelten Diebe in St. Nikolaus einen Opferstock aus der Wand: "Die Opferstöcke werden täglich geleert, das Geld zur Bank gebracht. Ich sehe in der Kirche immer wieder Menschen, die ich nicht im Gottesdienst sehe. Darüber bin ich sehr froh. Jeder ist willkommen." Dass katholische Kirchen anders als evangelische ständig geöffnet seien, habe etwas mit der katholischen Sakramentsfrömmigkeit zu tun, erläutert der Theologe. Jesus sei in Brot und Wein auch nach dem Gottesdienst ganzheitlich anwesend. Deshalb werden die Hostien im Tabernakel aufbewahrt. Dadurch sei Gott dauerhaft präsent im Kirchengebäude. Die Kirchen seien offen, damit Beter bei Gott sein könnten.
2005 fasste die Polizei in Erkrath zwei Brüder aus Kroatien, die sechs Jahre lang gewerbsmäßig Opferstöcke leer geräumt hatten – auch in zwei Kirchen in Haan. Die beiden berichteten, bei ihren Diebestouren häufig "Kollegen" begegnet zu sein, die dem gleichen "Gewerbe" nachgingen. Gefasst wurden die Täter übrigens durch – eine Videoüberwachung.
In den evangelischen Kirchen in Hilden gibt es keine Videoüberwachung, sagte Pfarrer Traugott Vitz, Vorsitzender des Presbyteriums. Die Kirchen seien verschlossen, würden nur zu den Gottesdiensten geöffnet. Ausnahme: Die Reformationskirche ist samstags und mittwochs vormittags geöffnet. Dann haben Freiwillige ein Auge auf das Gotteshaus in der Stadtmitte.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum