Haan: Konzertante Emotionen
VON ASTRID SCHOENE - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012Haan (RP). Beim "Candle Light Concert" in der evangelischen Kirche in Haan lernten die Zuhörer ein neues Werk kennen.
Nicht nur der warme Schein unzähliger Kerzen zu Haydn-Klängen stimmte das Publikum in der evangelischen Kirche froh. Es war auch das Wiedersehen mit einem gern gesehenen Spitzenensemble zur Kammermusikzeit. Das Utrecht String Quartet, vielen Haaner Klassik-Fans vertraut, gastierte im "Candle Light Concert". Und hohe Spielkultur und exzellentes Ausdrucksvermögen zeigten Eeva Koskinen und Katherine Routley, Joel Waterman und Sebastian Koloski auch gleich mit Haydns letztem Streichquartett, einem Fragment. In ihm vermerkte Haydn am Schluss: "Hin ist all meine Kraft, alt und schwach bin ich."
Das betraf aber nicht seinen ungeheuren Ideenreichtum, den das Utrecht String Quartet in die feinsten Adern hörbar machte. Das Gesangliche, das Romantische bekommt im Andante eine wunderbare Tiefe. Lyrisch und gefühlsbetont fließen unter den Bögen sanfte Liedthemen. Vital und dynamisch steigert sich das Menuett. Mit sensiblem Gespür für klangliche Nähe und Ferne verweben sich die vier Stimmen kunstvoll im Forte und im zarten Pianissimo.
Benefizkonzerte
Die Konzertreihe Internationale Kammermusik, die der gebürtige Haaner Sven Tepl ins Leben gerufen hat, dient dem guten Zweck. Die Künstler treten ohne Gage auf, die Besucher zahlen trotzdem Eintritt.
Der Erlös fließt an die Kinderhilfsorganisation Plan International. 4428 Euro kamen im vorigen Jahr zusammen.
Auch in diesem Konzert lernten die Zuhörer ein unbekannteres Werk kennen – das 1966 komponierte Streichquartett des Schweizers Frank Martin. Ein anspruchsvolles Werk in verschiedenen Tonarten, das enorme Fingerfertigkeit voraussetzt. Da beginnt die Bratsche im Lento ihr klagendes einsames Solo. Rhythmisch und klanglich abwechslungsreich, zwischen Dissonanz und feiner Melodik, folgen Geigen und Cello. Schlichtweg atemberaubend jagt das Prestissimo dahin. Im Larghetto setzt weich und lyrisch, voll verhaltener Trauer, die erste Geige ein. Technisch meisterhaft zeigen die Vier im Allegretto ein Feuerwerk an Bogenakrobatik.
Nach der Pause kochten die musikalischen Emotionen richtig hoch, als die Musiker mit einem Opernquerschnitt das Fluidum des italienischen Belcanto in den Altarraum zauberten – mit Verdis Oper "Luisa Miller", als Streichquartett von seinem Schüler Muzio bearbeitet. Eine Geschichte um Liebe, Treue, Verrat und Tod. Spiegelt sich auch in der Musik wieder. Ein kurzes unstetes Motiv in der Moll-Ouvertüre deutet auf den tragischen Grundton der Oper hin.
Beifallsstürme für die Musiker
Eine farbenfrohe, mal dramatische, mal federleichte Musik – ein Hörgenuss pur. Virtuos und mit Spiellust zeichnete das Quartett die ganze Palette des Bühnengeschehens nach – die Visionen eines Liebesglücks, das Leidenschaftliche, das Brodeln dämonischer Wildheit, die Verzweiflung und das Melancholische eines Todesgesangs. Beifallsstürme, für das Utrecht String Quartet, das auch dieses Mal seine Gage der Organisation Plan International spendete.
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