Hilden: Kritische Töne am Tag der Einheit
zuletzt aktualisiert: 04.10.2008Düsseldorf (RPO). Auch wenn Stefan Tegethoff, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Hilden (MIT), bedauerte, dass der gestrigen Tag der Deutschen Einheit längst nicht in allen Medien berücksichtigt wurde, war im Alten Ratssaal im Bürgerhaus von einem geringen Stellenwert des 3. Oktober nichts zu spüren Einige Zuhörer mussten sich gar bei der von der MIT und der Hildender CDU organsierten Gedenkstunde mit einem Stehplatz begnügen.
„Deutschland tut sich mit dem Feiern etwas schwer“, bedauerte der Herausgeber des „Wirtschaftsblatts“, Michael Oelmann, in seinem Grußwort. Er bezweifelte, ob zum Beispiel das alljährliche Straßenfest „mit Tombola und Grillhähnchen“ in Berlin der Bedeutung des Nationalfeiertages gerecht werde. Dabei sei das wiedervereinigte Land doch jetzt volljährig geworden, wies Oelmann augenzwinkernd auf den 18. Jahrestag der Deutschen Einheit hin.
Wermutstropfen
Als Festredner hatten die Organisatoren Hasso von Blücher eingeladen. Der Erkrather, der unter anderem in Premnitz im Havelland eine Produktionsstätte für adsorbierende Verbundstoffe betreibt, bilanzierte die Wiedervereinigung aus Sicht eines Unternehmers. So scheute er sich nicht, „nicht nur einen kleinen Wermutstropfen, sondern eine große Flasche Wermut“ auszuleeren: Die politische Gestaltung der Wiedervereinigung sei brillant, die ökonomische dagegen „desaströs“ gewesen.
Von Blücher übte insbesondere an Altkanzler Helmut Kohl heftige Kritik, weil dieser erhebliche Fehleinschätzungen bezüglich des ostdeutschen Wirtschaftspotenzials und der Kosten der Wiedervereinigung abgegeben habe. Kohls damalige Prognose, in der ehemaligen DDR würden „blühende Landschaften“ entstehen, geißelte der Redner als „reinen Populismus – zynisch, verantwortungs- und ruchlos“. Der Erkrather Unternehmer plädierte stattdessen für die Umwandlung Ostdeutschlands in eine Sonderwirtschaftszone und „Experimentierwerkstatt mit Pilotfunktion für ganz Deutschland“. Zugleich schlug von Blücher aber auch feierliche Töne an: „Anders als der 17. Juni, der Jahrestag der Niederschlagung des DDR-Volksaufstandes, ist unser Nationalfeiertag heute endlich ein Freudentag – ein Tag ohne Tränen, Trauer und Tragik.“ Für seinen Vortrag erntete Hasso von Blücher großen Applaus.
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