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Haan: Liebevolle Inszenierung

VON LINDA GOTTSCHALK - zuletzt aktualisiert: 10.03.2008

Düsseldorf (RPO). Nicht nur Bühnenbild und Kostüme waren selbst produziert, die Schüler der Freien Waldorfschule sorgten mit viel Wortwitz dafür, dass das Publikum bei dem Stück „Das Haus in Montevideo“ viel zu lachen hatte.

Die Klasse 8 der Freien Waldorfschule führte das Stück „Das Haus in Montevideo“ auf. Die Schüler hatten ein dreiviertel Jahr harte Arbeit in das Projekt gesteckt und bis an den Rand der Erschöpfung gearbeitet.   Foto: RPO
Die Klasse 8 der Freien Waldorfschule führte das Stück „Das Haus in Montevideo“ auf. Die Schüler hatten ein dreiviertel Jahr harte Arbeit in das Projekt gesteckt und bis an den Rand der Erschöpfung gearbeitet. Foto: RPO

Pecunia non olet. Das wussten schon die alten Römer. Aber angesichts des Steuersünderskandals und Managerlustreisen ist das Thema topaktuell. Denn in dem Stück „Das Haus in Montevideo“ von Curt Goetz, welches die 8. Klasse der Freien Waldorfschule am Samstagabend aufführte, muss auch der große Moralist Professor Traugott Hermann Nägler die bittere Erfahrung der verführerischen Kraft des Geldes machen. Über die „reine Schwelle“ des tugendhaften Tyrannen dringt die sündige Versuchung in Form einer Todesnachricht in das fromme Haus ein, in dem Ohrfeigen und Tadel an der Tagesordnung sind. Die Schwester des Professors, die er vor vielen Jahren wegen eines unehelichen Kindes nach Montevideo verbannt hatte, ist verstorben und hinterlässt der Familie ihres Bruders ein Erbe. Dieses wird natürlich gleich ausgeschlagen, die Schiffskarten zerrissen.

Info

Curt Goetz

Curt Goetz (17.11.1888 – 12.9.1960) schrieb das Stück „Das Haus in Montevideo“ in Kalifornien, wo er während des Zweiten Weltkriegs eine Hühnerfarm betrieb. Er präsentierte es 1945 mit seiner Frau Valérie von Martens erfolgreich am Playhouse-Theatre am Broadway.

Selbst genähte Kostüme

Doch im Laufe des Stücks wird klar: Alles hat seinen Preis. Am Ende auch die Moral. Spätestens hier fühlt man sich an Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ erinnert. Denn auch dort nimmt eine Frau am Ende ihres Lebens süße Rache, hier am Bruder. Das Testament enthält ein kleines „Kläuselchen“. 750 000 Mark in bar gibt es nur, wenn ein uneheliches Kind am brüderlichen Herd zur Welt kommt. Die Frist: Der 17. Geburtstag der ältesten Tochter Atlanta.

Mit einem liebevoll und äußerst aufwändig gestalteten Bühnenbild, musikalischer Begleitung durch ein kleines Schülerorchester, selbst geschneiderten Kostümen und einer tollen schauspielerischen Leistung sorgten die Achtklässler für einen spannenden und lustigen Theaterabend von beachtlichen zweieinhalb Stunden. Ein dreiviertel Jahr harte Arbeit steckt hinter diesem Großprojekt. „Die Schüler haben sich bis an den Rand der Erschöpfung eingesetzt“, berichtete Regisseur Ulrich Maiwald. Mit zahlreichen Wortspielen und Sprachwitz entlockten die Schüler dem Publikum während der gesamten Aufführung herzliches Lachen. Neben Textsicherheit bewiesen sie auch Improvisationstalent.

Am Ende geht natürlich alles gut aus. Auch wenn vom Heiligenschein des Professors nicht vielmehr als bloßer Schein übrig ist, so löst sich das Problem mit der Erbschaft von selbst. Der Ozeandampfer „Atlanta“, auf dem sich einst das Ehepaar Nägler das Ja-Wort gaben, ist 27 Zentimeter zu kurz, um ein anerkanntes Hochzeitsschiff zu sein. So ist das damals geschlossene Bündnis null und nichtig und der Professor Vater von zwölf „Bastarden“. Am Ende gibt es statt einer Doppelmoral also eine Doppelhochzeit. Ein vollkommen gelungener Abend mit tosendem Applaus.

Quelle: RP

 
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