Hilden: Mehr Ruhe im Schulalltag
VON D. SCHMIDT-ELMENDORFF - zuletzt aktualisiert: 18.09.2007Düsseldorf (RPO). Nach den ersten Wochen im „60-Minuten-Takt“ am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium zieht Schulleiter Ulrich Göbeler eine positive Bilanz: Für Lehrer sind die größeren Einheiten angenehmer. Aber die Fünftklässler stöhnen.
Seit dem neuen Schuljahr tickt das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium anders als andere Schulen: Gleich zwei Jahrgänge, die 5. und 6. Klasse, hat Schulleiter Ulrich Göbeler in die G8 aufgenommen, das achtjährige Gymnasium. Weil für die Vermittlung des Stoffes ein Jahr wegfällt, erhöhen sich die Wochenstundenzahlen erheblich. Unterricht findet jetzt auch am Nachmittag statt und eine Unterrichtseinheit dauert am „Bonnie“ 60 statt 45 Minuten.
Mehr Zeit für vertiefende Übungen
Trotz der großen Umstellung ist das vorläufige Fazit nach sechs Wochen überwiegend positiv – zumindest aus Sicht der Lehrer und älteren Schüler. „Die meisten haben das Gefühl, mehr Zeit zu haben, den Stoff zu vertiefen, wo sie früher kappen mussten, oder hängen nun eine Übungseinheit dran“, erklärt Karin Fischer, Vorsitzende des Lehrerrats. In den naturwissenschaftlichen Fächern seien nun auch aufwändigere Experimente machbar. Die Sprach-Lehrer wiederum beklagten, dass bei nur noch zwei Einheiten wöchentlich die Sprachpraxis zu kurz komme. Insgesamt aber sei sein Konzept aufgegangen, so Göbeler: Die Lehrkräfte begrüßten, vormittags nur noch mit vier Lerngruppen statt vorher sechs konfrontiert zu sein. Das habe mehr Ruhe in den Alltag gebracht. Dabei ist die neue Zeitrechnung nicht akustisch wahrnehmbar: Göbeler hat seine Emanzipation von der 45-Minuten-Einheit durch das Abstellen des Schul-Gongs manifestiert. Ein praktisches Problem stellt sich für die Oberstufe, deren vorgeschriebene Stundentafel nicht glatt im 60-Minuten-Takt aufgeht. Die Schüler haben daher schon ab 7.40 Uhr Unterricht oder eine verkürzte Mittagspause. Überhaupt haben sie wegen des geringeren Stundenkontingents viel Leerlauf. „Für eine Stunde am Nachmittag muss ich lange Pause machen“, sagt Ann-Katrin Alberts (18).
Mittagspause
Die Mittagspause dauert eine Stunde. Die Schüler essen entweder in der Mensa, besorgen sich einen Imbiss in der Stadt oder fahren nach Hause.
Manchen Lehrern, deren Unterricht aus dem Zeitschema herausragt oder die Aufsicht führen müssen, ist sie zu kurz. Auf das verbreitete Konzentrationstief nach dem Essen stellen die Lehrer dann ihre Arbeitsmethoden ein.
Freistunde sinnvoll genutzt
Immerhin ist Göbeler positiv aufgefallen, dass die Schüler ihre Freistunden jetzt sinnvoller nutzen: für Hausarbeiten. „Alles Neue wird oft erst einmal abgelehnt – jetzt ist von dem anfänglichen Wirbel nicht mehr viel zu spüren“, meint Schülersprecher Kai Kaufhold. Die Schüler der 5. und 6. Klasse erleben die Umstellung intensiver: „Sich eine Stunde lang zu konzentrieren, ist für sie sehr belastend“, weiß Schulpflegschaftsvorsitzender Michael Hall. „Das ist alles sehr anstrengend“, sagt die zwölfjährige Lisa. Es bleibe ihr keine Zeit mehr, um Freunde zu treffen, weil sie bis in den frühen Abend noch an den Hausaufgaben sitze. „Ich musste schon das Tanzen aufgeben, und Leichtathletik muss ich jetzt wahrscheinlich auch noch streichen“, beklagt Alina (12). „Für sportliche aktive Kinder oder Musikschüler wird’s jetzt eng“, so Michael Hall.
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