Hilden: Mit Autismus leben lernen
zuletzt aktualisiert: 04.07.2011Hilden (RP). Der Verein "autismus Rhein-Wupper" feiert am 8. Juli einen runden Geburtstag. Vor 30 Jahren gründete Dorothee Daun den Selbsthilfeverein, um betroffene Eltern und autistische Kinder zu unterstützen.
Vor 30 Jahren gründeten Eltern von autistischen Kindern in Hilden einen Selbsthilfeverein, der heute den Namen "autismus Rhein-Wupper" trägt. Kurz vor der Geburtstagsfeier am 8. Juli sprach Friedhelm Ruf mit der Vereinsvorsitzenden Dorothee Daun.
Frau Daun, was ist ist Autismus?
Daun Es gibt verschiedene Ausprägungen von Autismus, vom Asperger-Syndrom bis hin zum so genannten frühkindlichen oder Kanner-Autismus, bei dem man zusätzlich von einer geistigen Behinderung ausgeht. Menschen mit Autismus haben generell große Schwierigkeiten, die Umwelt in ihrer Komplexität zu erfassen und sich in ihr zurecht zu finden.
Filme wie "Rain Man" mit Dustin Hoffmann oder "Mercury Code" mit Bruce Willis zeigen den super-intelligenten Autisten. Ist das die Regel oder eher eine Ausnahme?
Feier mit Axel Brauns
Der Verein "autismus Rhein-Wupper" feiert am 8. Juli sein 30-jähriges Bestehen mit folgendem Programm:
18 Uhr Die Vorsitzende des Vereins, Dorothee Daun, begrüßt die Gäste im Festsaal der Städtischen Musikschule an der Gerresheimer Straße 20.
18.10 Uhr Vernissage der Bilderausstellung sowie literarische Texte von Menschen mit Autismus.
19 Uhr Axel Brauns liest aus seinem Buch "Buntschatten und Fledermäuse".
Daun Das kann man so nicht sagen. Wir haben inzwischen zunehmend Kinder mit der Asperger-Diagnose, die kognitiv nicht beeinträchtigt sind. Viele haben in der Tat Spezialbegabungen oder überdurchschnittliche Kompetenzen, zum Beispiel im mathematischen Bereich. So kenne ich zum Beispiel Kinder, die auf Anhieb wissen, welcher Wochentag etwa am 18. Februar 1833 war. Kinder mit Asperger-Autismus können eigentlich Regelschulen besuchen, haben dort aber meist große Probleme, in der Klasse akzeptiert zu werden und autismusgerechte Lernbedingungen zu finden.
Wie werden autistische Menschen in der Öffentlichkeit wahrgenommen?
Daun Sie stoßen oft auf Unverständnis, wenn sie sich auffällig verhalten, auf bestimmte Rituale, Abläufe oder bizarre Bewegungen fixiert sind. In einer KiTa kann es typisch für ein autistisches Kind sein, dass es sich von den anderen absondert, gedankenverloren in die Ferne blickt oder vor sich hinschaukelt.
Wie können Eltern denn erkennen, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt?
Daun Das kommt auf Art und Ausmaß der Behinderung an. Es gibt ganz frühe Anzeichen. Etwa wenn das Kind der Mutter nicht die Ärmchen entgegen streckt oder nicht wie andere Babys zurücklächelt.
Sie haben den Verein vor 30 Jahren gegründet. Wie war die Situation?
Daun Es war deutlich schwieriger. Ich habe 1981 gemeinsam mit einigen Müttern gesagt: Wir müssen etwas für die Familien mit betroffenen Kindern tun, damit sie gefördert und die Eltern unterstützt werden. Unser Sohn war damals acht. Und heute haben wir 600 Mitglieder.
Wie war das damals, wurden Sie mit offenen Armen empfangen?
Daun Es gab keine autismus-spezifische Unterstützung und keine Förderangebote.
Wie ist die Situation denn heute?
Daun Deutlich besser, vor allem in Bezug auf die Diagnostik. Anders als früher wissen die Ärzte viel besser über den Autismus Bescheid.
Gibt es eine Therapiemöglichkeit?
Daun Ja, denn dafür stehen wir ja mit unserem Autismus-Therapie-Zentrum in der Region Rhein-Wupper zur Verfügung. Dabei wird der Begriff Therapie leicht missverstanden. Autismus-spezifische Therapie ist nicht medizinisch und auch nicht auf Heilung ausgerichtet. Es handelt sich um ganzheitliche Förderangebote, durch die Kind und Umwelt lernen sollen, mit dem Autismus umzugehen und die vorhandenen Kompetenzen und Anlagen trotzdem entfalten zu können.
In welche Schulen kann ein autistisches Kind gehen?
Daun Grundsätzlich kommt jede Schulform in Betracht, je nach Art und Ausmaß der Beeinträchtigung. Aber es ist ein großes Problem, die richtige Schule zu finden, die auch bereit ist, das Kind aufzunehmen. Entscheidend ist, dass die notwendigen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Vielfach stellen wir Schulassistentinnen oder Schulassistenten zur Verfügung, die von uns fachlich angeleitet und begleitet werden. Sie unterstützen das Kind in der Klasse. Sie sind auch Ansprechpartner für die Mitschüler, damit diese ein Verständnis dafür bekommen, dass der autistische Klassenkamerad so anders ist.
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