Hilden: Mit Gottes Segen?
VON CHRISTOPH SCHMIDT - zuletzt aktualisiert: 19.10.2006Düsseldorf (RPO). Evangelische Kirchengemeinde Haan ist wegen der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare tief gespalten. Presbyterium nahm Grundsatzbeschluss wieder zurück. Pfarrer Weber: Diskussionsprozess mit offenem Ende.
Haan/Hilden Sollen gleichgeschlechtliche Paare „gottesdienstlich begleitet“ werden? Diese Frage wird in der Evangelischen Kirchengemeinde Haan zurzeit heftig und kontrovers diskutiert. Vor zehn Jahren machte die Landessynode den Weg für die Segnung homosexueller oder lesbischer Paare frei. „Jede Gemeinde muss dazu einen Grundsatzbeschluss fassen“, erläutert Pfarrer Frank Weber, Vorsitzender des zuständigen Ausschusses für Theologie, Diakonie und Gottesdienst.
Gemeinde nicht spalten
Die damals sehr theoretische Diskussion sei im Frühjahr dieses Jahres unversehens sehr konkret geworden, berichtete Weber. Ein homosexuelles Paar erbat den Segen der Kirche für seinen Bund fürs Leben. Das Presbyterium habe das Anliegen zunächst befürwortet. Als dann Bedenken in der Gemeinde erhoben wurde, sei der Beschluss wieder aufgehoben worden.
„Es kann nicht darum gehen, die Gemeinde zu spalten“, erläuterte Weber den Rückzieher. Nötig sei eine breit angelegte, sachliche Diskussion. Deshalb wurde für Dienstag, 24. Oktober, Dr. Rainer Stuhlmann ins Paul-Gerhardt-Haus eingeladen. Das Mitglied im Theologischen Ausschuss der Evangelischen Kirche im Rheinland referiert über die Segnung Schwuler und Lesben: „was die Bibel dazu sagt und nicht sagt.“
Weil Stuhlmann als bekannter Befürworter der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare gilt, wurden sofort wieder kritische Stimmen in der Gemeinde laut. Das Presbyterium sicherte daraufhin zu, noch weitere Referenten zu dem Thema „zeitnah“ einzuladen. „Wir wollen das Thema vertiefen, aber nicht mit dem Ziel, zu entscheiden“, betonte Weber: „Dem Presbyterium geht es nicht darum, etwas durchzusetzen. Die Gemeinde soll zu ihrem Recht kommen.“ Es gehe darum, das sensible Thema „mit der gebotenen Würde“ zu behandeln, unterstrich Weber, der zugleich auch Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann ist. „Wir sollten uns hüten, in die Diskriminierungsfalle zu tappen. Das heißt, auch nicht die diskriminieren, die gegen eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sind.“ Seines Wissens habe im Kirchenkreis bislang nur die Gemeinde Ratingen-Lintdorf/Angermund einer Segnung von Lesben und Schwulen zugestimmt.
Keine Anfrage in Hilden
In Hilden hat die Evangelische Gemeinde keinen Grundsatzbeschluss gefasst, erläuterte Pfarrer Yorck Wolf, Vorsitzender des Presbyteriums: „Wir haben uns die Position der Landeskirche zu eigen gemacht. Wir werden uns den Einzelfall anschauen und dann entscheiden.“ Bislang habe es noch keine Anfrage in Hilden gegeben. Und was ist aus dem homosexuellen Paar geworden, das in Haan den Konflikt heraufbeschwor? Die beiden Männer haben den erbetenen Segen längst bekommen – allerdings in Köln.
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