Hilden: Mit Schwung und Humor
VON BARBARA STEINGIESSER - zuletzt aktualisiert: 02.01.2007Düsseldorf (RPO). Das 15. Hildener Silvesterkonzert des Oratorienchores verabschiedete das Jahr 2006 mit einem musikalischen Feuerwerk. Die Rumänische Staatsphilharmonie „Dinu Lipatti“ Satu Mare begeisterte unter Franz Lamprecht.
„Hereinspaziert!“ – mit diesem treffenden Titel begrüßte die Rumänische Staatsphilharmonie „Dinu Lipatti“ Satu Mare unter Leitung von Franz Lamprecht das Publikum beim 15. Silvesterkonzert in der Stadthalle. Der Walzer op. 518 von Carl Michael Ziehrer, der auf Melodien der Operette „Der Schätzmeister“ beruht, bot einen leicht prickelnden Einstieg in ein musikalisches Silvesterfeuerwerk aus Kompositionen der Strauß-Dynastie, zwischen denen die junge Sopranistin Désirée Brodka bekannte lyrische Liedweisen aus Operetten von Franz Lehár, Robert Stolz und Nico Dostal einstreute.
Nächster Termin
Franz Lamprecht dirigiert in der Stadthalle Hilden: Sonntag, 18. März, 18 Uhr: „Komm, holder Lenz!“ Ein musikalischer Blumenstrauß zum Frühlingsanfang mit Claudia Ehses, Flöte, Gary Bennett, Tenor, dem Oratorien-Chor Hilden, dem Symphonischen Chor Wuppertal und dem Philharmonischen Orchester Tirgu Mures.
Robin Hood erlegte Murmeltier
Bei den Kompositionen von Johann Strauß Vater und Sohn sowie von Josef und Eduard Strauß standen nicht etwa Walzer im Vordergrund wie die auf Themen der Operette „Die Fledermaus“ basierende Komposition „Du und Du“ (op. 367), sondern Märsche wie der „Persische“ und der „Vaterländische Marsch“ und vor allem Polkas wie „Knall und Fall“, „Unter Donner und Blitz“ oder „Ohne Sorgen“.
In seiner Moderation beleuchtete Dirigent Lamprecht die Entstehung der einzelnen Kompositionen, erklärte etwa, dass sich die „Plappermäulchen“-Polka (op. 245) auf Josef Strauß‘ muntere Tochter Karoline Anna bezog und dass Johann Strauß (Sohn) seine „Tritsch-Tratsch“-Polka (op. 214) nach einem Wiener Witzblatt benannte, nachdem Klatsch und Tratsch über seine angebliche Verlobung oder gar Heirat in Russland verbreitet worden waren. Eine Kritik lobte damals die „Frische“ und „humoristische Färbung“ der Komposition.
An Silvester darf es des Humors noch etwas mehr sein. So entpuppte sich die Polka „Auf der Jagd“ als wahrer Knallbonbon mit Schüssen nicht nur auf der Bühne, sondern auch aus der Flinte von Robin Hood, der im Publikum ein Plüsch-Murmeltier erlegte. Zur Polka „Im Krapfenwaldl“, in der Vogelstimmen erklingen, sagte Lamprecht: „Sie werden sehen, dass es auch in unserem Orchester etliche seltene Vögel gibt.“ Und so ließ die künstlerische Freiheit auch hier und da einmal einen Kuckuck aus der Reihe tanzen.
Bei allem Witz konnte sich das Publikum jedoch auch am ernsthaften Musizieren erfreuen, am philharmonischen Klang zwischen fein ziselierter Leichtigkeit und üppiger Fülle, an Pathos und gesanglichem Schmelz der Operette und am Schmiss des Radetzky-Marsches, der nach der Tradition der Wiener Neujahrskonzerte als zweite Zugabe gegeben wurde. Prosit Neujahr!
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum