Hilden: Nah an der Macht
VON SILKE SCHIRMER - zuletzt aktualisiert: 14.09.2007Düsseldorf (RPO). Jungen und Mädchen der Wilhelmine-Fliedner-Schule in Hilden fühlten gestern Landtagspräsidentin Regina van Dinther und Schulministerin Barbara Sommer mit ihren Fragen auf den Zahn.
Thema Schule
Jenny aus der neunten Klasse der Wilhelmine-Fliedner-Schule wollte es wissen: „Warum sind unsere Klassen bloß so groß?“
Sommer „Ich weiß, dass gerade an Realschulen viele Kinder in einer Klasse sind. Dafür sind so besser mehrere Fördergruppen zu bilden.“ An staatlichen Schulen wolle sie dies durch mehr Lehrer verbessern. Die Fliedner-Schule ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Die Hildener Lehramts-Referendarin Nina Köveker konnte es selbst noch gar nicht wirklich glauben, als sie die Ministerinnen-Hand schüttelte und die der Landtagspräsidentin gleich hinterher. „Meine Schüler und ich beschäftigen uns in Sozialwissenschaften gerade mit NRW. Da dachte ich, wieso nicht einmal einen Abgeordneten an unsere Schule einladen“, erklärte die 25-Jährige. Die Antwort auf ihre E-Mail im Mai verdutzte, das Ergebnis stand gestern vor ihr in der Wilhelmine-Fliedner-Schule: NRW-Schulministerin Barbara Sommer und Landtagspräsidentin Regina van Dinther direkt daneben. „Das ist der Sechser im Lotto“, meint Nina Köveker. Sommers Erklärung: „Wir wollen von Düsseldorf mehr ins Land hinaus zu den Schülern, ansonsten kommen viele immer nur zu uns.“
Brennende Fragen
Doch egal wie groß der Promi-Faktor auch war, Köveker und die Schüler der Sozialwissenschaftskurse der neunten und zehnten Jahrgangsstufe wollten es wissen. Dass auch Ministerinnen feste Stundenpläne haben, ist schön. Dass Landtagspräsidentinnen mit dem Dienstwagen zur Arbeit fahren, nicht unbedingt eine Überraschung. Das reichte den Schülern nicht. „Was passiert denn jetzt mit der CO-Pipeline bei uns in Hilden?“: Diese Frage brannte Bastian Austrup unter den Nägeln. „Die Pipeline wird gerade im Fachausschuss behandelt. Dann wird es Thema im Landtag. Wie der Landtag entscheiden wird, kann ich Euch auch als seine Präsidentin nicht sagen.“ Abwarten heißt es also für Bastian und ganz Hilden. Nach der Diskussion meinte der 15-jährige Bastian: „Ich verstehe immer noch nicht, wieso Bayer mit der Verlegung beginnen konnte, ohne dass die Bürger abgestimmt haben. Die Meinungen gehen bei uns auseinander, ich halte die Pipeline für gefährlich.“
„Weg ist weg“
Auch den 16-jährigen Sebastian Bärenfänger beschäftigte ein Thema, das in der Region gerade heftig diskutiert wird: „Düsseldorf hat Aktien an den Stadtwerken verkauft. Würden Sie so etwas auch woanders machen, Frau van Dinther?“ Die Politiker-Antwort war klar: „Wenn ich als Privatperson Geldprobleme habe, muss ich auch gucken, was ich verkaufen kann, um wieder Geld reinzukriegen.“
Über diese Antwort grübelte Sebastian nach. Nach der Diskussion kam er zu dem Schluss: „Ich würde zur Sicherheit eher Stadtwerke-Besitz vermieten als direkt Aktien zu verkaufen. Das ist erst einmal weniger Geld, aber sicherer. Weg ist weg.“
Nach gut eineinhalb Stunden war auch der Besuch aus Düsseldorf wieder weg und Referendarin Nina Köveker zufrieden. Ihre Schüler hatten sich selbstbewusst gezeigt und ihre vorbereiteten Fragen ohne Scheu gestellt.
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