Gruiten: Naturfreunde an einem Strang
VON SHABIR SAAED - zuletzt aktualisiert: 22.11.2010Düsseldorf (RPO). 18 Helfer aus verschiedenen Generationen halfen der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt am Wochenende bei den notwendigen Schnittmaßnahmen der Kopfweide mit. Heute ist die Vorstandssitzung der AGNU.
Alle zwei bis drei Jahre sorgen auf den Wiesen des Gewerbegebiets Champagne etliche Motorsägen für sinnvollen Lärm. Denn dann ist wie am vergangenen Wochenende der Zeitpunkt der Kopfbaumpflege gekommen. 18 freiwillige Helfer der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt Haan (Agnu) führten an den 15 dickstämmigen Kopfweiden die notwendigen Schnittmaßnahmen durch.
Radikaler Schnitt
"Früher waren die Pflegemaßnahmen für Brennholzgewinnung oder zum Korbflechten notwendig", erläutert Einsatzleiter Markus Rotzal. Heute böten die Weiden vor allem Schutz für Tiere. Bei dem radikalen Schnitt werden alle Äste am Ansatz abgetrennt. Für die höher gelegenen Äste der verstummelt wirkenden Bäumen muss sich Rotzal mit einem sogenannten Hochentaster aushelfen. Bei den größeren Exemplaren klettert der 27-Jährige gleich auf die Krone und sägt von Hand ab. Währenddessen festigt Daniel Bugdol mit weiteren Helfern die fallenden dickeren Äste mit einem Seil ab, um sie kontrolliert vom Stamm zu trennen. Der 19-Jährige sieht die Tätigkeit als Freizeitbeschäftigung an. "Nächste Woche schreibe ich eine Biologie-Klausur. So kann ich in der Praxis für die Klausur lernen", erzählt er.
Ökologischer Nutzen
Heute überwiegt der ökologische Nutzen der Kopfbaumpflege: Die meist hohlen Stämme bieten Insekten und anderen Tieren wie dem Moschusbockkäfer, dem Weidenbohrer oder dem Steinkauz Unterschlupf.
Agnu-Vorstandssitzung Heute um 19 Uhr im Predigerhaus Gruiten. Gäste willkommen, Infos bei Sven M. Kübler (Tel. 02129 958100).
Ingrid Spiller ist schon zum vierten Mal an den Pflegearbeiten aktiv beteiligt. "Es macht mir Spaß, der Natur etwas zurückzugeben", betont die 59-Jährige. Sie bedauert es sehr, "wie achtlos manche Menschen mit der Natur umgehen". Außer dem Einsatz für die Umwelt freut sich die Betriebswirtin besonders über die Teamarbeit: "Alle Generationen ziehen an einem Strang. Das Wir-Gefühl ist sehr stark." Barbara Lage sammelt fleißig die Äste ein, um sie auf den riesigen, angelegten Totholzhaufen zu werfen, wo besonders Igel, Marder und Vögel einen Unterschlupf finden sollen. Die 55-Jährige hilft das erste Mal bei der Baumpflege mit. "Hier ist mir ganz schnell warm geworden", sagt sie leicht erschöpft, "aber ich bin bei jedem Wetter gerne in der Natur."
Dass auch Jäger einen Beitrag zur Tiererhaltung leisten können, beweist Hans Baum. "Wir wollen doch nicht nur totschießen. Wir sind auch sehr naturverbundene Menschen", betont er. Für den 71-Jährigen ist die Arbeit in erster Linie "eine körperliche Betätigung". Seine Hände sind von der Arbeit grün gezeichnet, trotzdem stapelt Benjamin Schick (17) ohne Arbeitshandschuhe Brennholz. "Es ist schön, wenn man die Natur in den Händen spüren kann", freut sich der Gärtner-Azubi, "die paar Kratzer verheilen schnell wieder".
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum