Gruiten: Naturschutz ohne Nachwuchssorgen
VON CHRISTOPH CZUBAIKO - zuletzt aktualisiert: 17.01.2011Düsseldorf (RPO). Naturschützer der AG Natur und Umwelt (AGNU) waren am Samstag wieder einmal im stillgelegten Kalksandsteinbruch in Gruiten aktiv.Sie pflegen dort den Lebensraum seltener Tier- und Planzenarten. Ab Mitte März soll auch zweibeiniger Nachwuchs herangezüchtet werden.
"Achtung, Baum fällt", schallt es über das Gelände des stillgelegten Kalksandsteinbruchs in Gruiten. Dann kracht eine rund zehn Meter hohe Zitterpappel auf den Boden. Anschließend werden die Äste entfernt und der Stamm zerkleinert, bevor der nächste Baum an der Reihe ist. Den Grund für die Baumfällarbeiten kennt Einsatzleiter Armin Dahl von der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (AGNU) Haan. "In den letzten Jahren haben sich hier gleich mehrere seltene Tier- und Pflanzenarten angesiedelt, die sonnige und warme Plätze brauchen."
Kein Mangel an Nachwuchs
So leben an den felsigen Hängen Salamander und Eidechsen. Auf dem Orchideenfeld tummeln sich im Sommer mehrere dutzend Schmetterlinge, darunter so seltene Arten wie der Kaisermantel und der Schwalbenschwanz. "Damit das auch in Zukunft so bleibt, muss das Areal regelmäßig gerodet und gemäht werden", erklärt Dahl. An diesem Samstag sind rund 15 Vereinsmitglieder mit den Pflegearbeiten in der Grube 10 beschäftigt, darunter gleich mehrere Jugendliche. "Mir macht das einfach Spaß", berichtet der 15-jährige Dominik. Und sein Bruder Benjamin ergänzt: "Wir sind eigentlich bei jedem Einsatz dabei." Der 17-jährige Baumschüler nutzt dabei die Arbeit gleichzeitig als Fortbildung. Natürlich sind auch die zehn Euro Aufwandsentschädigung pro Arbeitsstunde ein Anreiz für die Jugendlichen. "Ich will mir von dem Geld einen programmierbaren Legostein kaufen", erzählt der zehnjährige Lars. Die meisten Erwachsenen verzichten dagegen auf die Entschädigung und spenden sie direkt dem Verein.
JHV und Kindergruppe
Heute um 19 Uhr Jahreshauptversammlung der AGNU im reformierten Predigerhaus an der Pastor-Vömel-Straße 51 in Gruiten.
Ab dem 14. März bietet Diplom-Biologin Kornelia Wegmann eine Kindergruppe in der Grube 10 an – jeweils am 2. und 4. Montag im Monat von 16 bis 18 Uhr. Treffpunkt ist der Wanderparkplatz an der Osterholzer Straße in Gruiten. Der Kostenbeitrag beträgt fünf Euro pro Termin.
Anmeldung und Information unter www.agnu-haan.de.
Im letzten Jahr leisteten die etwa 30 aktiven Mitglieder der AGNU rund 1200 Arbeitsstunden, berichtet AGNU-Vorstand Sven Kübler. "Wir sind jedoch nicht nur hier im Steinbruch aktiv, sondern in der ganzen Region." So habe man mit dem Bau von Zäunen an Landstraßen aktiv Amphibienrettung betrieben, Pflegeeinsätze gefahren und regelmäßig die Kopfweiden an den Bächen zurückgeschnitten. Gefördert wird der Verein mit Geldern aus dem Topf der "Förderung des Naturschutzes" (FÖNA) sowie aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).
Viele Arbeitsstunden in 2010
Doch die kontinuierliche Kürzung der Mittel für den Umweltschutz geht auch an der AGNU nicht vorbei. Viele Arbeitsstunden wurden trotz vorheriger Anmeldung im Nachhinein nicht gefördert und mussten daher vom Verein selbst getragen werden. Was das für die Zukunft bedeutet, ist noch nicht klar. "Wenn wir die Pflegearbeiten in Zukunft nicht mehr durchführen können, war die ganze bisherige Arbeit umsonst", stellt Kübler resigniert fest. Denn Mittelkürzungen gingen immer zu Lasten der Natur.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum