Hilden: Notfallseelsorge bei Loveparade
zuletzt aktualisiert: 27.07.2010Düsseldorf (RPO). Die aus Hilden stammende Pfarrerin zur Anstellung Nicole Hagemann war als Notfallseelsorgerin bei der Loveparade im Einsatz. Mit Redaktionsleiterin Barbara Jakoby sprach sie über ihre Eindrücke.
Frau Hagemann, wo und wann sind Sie in das schreckliche Geschehen involviert worden?
Hagemann Die Notfallseelsorger des Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann, zu denen ich gehöre, waren ab etwa 20 Uhr in einer Schule in der Nähe des Unglücksortes präsent. Dort war ein Behandlungsplatz eingerichtet worden, in dem leichter Verletzte erstversorgt und dann falls nötig in Krankenhäuser gebracht wurden.
Was haben Sie dort erlebt?
Hagemann Wer dorthin aus dem Tunnel oder seiner Umgebung kam, hatte Schreckliches gesehen. Das gilt für die Verletzten genauso wie für die Rettungskräfte. Auch von ihnen wollten viele über das Erlebte reden. Sie hatten Tote neben Lebenden liegen sehen und viele, viele Verletzte.
Wie konnten Sie den Mensch helfen?
Hagemann Vor allem durch Zuhören. Notfallseelsorge ist keine Therapie, sondern ein Angebot, unmittelbar nach einem solchen Unglück seine Eindrücke loszuwerden. Bei vielen reicht das, andere werden vielleicht in ein paar Wochen noch einmal darüber sprechen wollen. Das ist von Typ zu Typ verschieden. Wir geben den traumatisierten Menschen auch Hinweise, an welche Stellen sie sich später wenden können.
Wie gehen Sie selbst mit der seelischen Belastung um?
Hagemann Im Notfall bin ich ganz bei den Menschen. Als Pfarrerin gehört die Begegnung mit Schmerz und Tod zu meinem Beruf. Ich habe so etwas wie eine Schutzhaltung entwickelt, aus der heraus ich der Erlebte abgeben kann. Dabei hilft mir auch mein Glaube.
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