Hilden: Pipeline, die kein Bürger will
VON PETRA CZYPEREK - zuletzt aktualisiert: 08.05.2009Düsseldorf (RPO). 67 Frauen protestierten im Hildener Süden gegen die Inbetriebnahme der Bayer-Pipeline. Die Gerichte haben noch nicht entschieden, ob Kohlenmonoxid hindurchgeleitet werden darf.
Die Nummer "9" heißt Beate Sommer und möchte gemeinsam mit ihrer Freundin Gabi Wessel, deren T-Shirt eine große schwarze "25" ziert, "alles tun, was wir als Bürger gegen die Kohlenmonoxid-Leitung von Bayer tun können".
Die beiden Frauen warteten gestern kurz vor 15 Uhr an der Ecke Richrather Straße/Salzmannweg. Dort startete wenige Minuten später eine Demonstration, die die Familienheimsiedlung am Lehmkuhler Weg im Hildener Süden zum zweiten Jahrestag ihres Protestes organisiert hatte.
Ginko-Baum gepflanzt
67 Frauen in nummerierten T-Shirts trugen Transparente und pflanzten einen zwei Meter hohen Ginko-Baum gegen das Vergessen. Sie symbolisierten die 67 Kilometer lange Pipeline-Strecke von Dormagen bis Uerdingen. Auch Boxerhündin Cecilia war dabei. Sie trug allerdings ein von ihrem Herrchen selbstgestaltetes Shirt.
Bäumchen verteilt
Proteststrecke Unter Geleitschutz der Polizei zogen die Demonstranten, die überwiegend aus Hilden und Erkrath kamen, entlang der Richrather Straße, Lindenplatz, Kirchhofstraße und Mittelstraße. Dort bildeten die Teilnehmer eine Kette.
Abschlusskundgebung Auf dem alten Markt wurde ein Info-Stand aufgebaut. Dort wurden kleine Bäume des Nicht-Vergessens verteilt.
Die Haltung der Frauen war entschlossen: "Die Pipeline wird einfach weitergebaut. Wir wollen die Bezirkspolitiker wachrütteln", betont Beate Sommer. "Wir haben Kinder und damit große Verantwortung für deren Zukunft", ergänzt Gabi Wessel. Am Grundstück von Birgit Zschammers Familie führt die CO-Leitung sogar an zwei Seiten vorbei.
"Das ist einfach gefährlich." Angelika Grützmacher und Gabriele Schwan trugen ein Plakat: "Menschen in Gefahr zu bringen, um Arbeitsplätze zu sichern, ist falsch!", steht darauf. Angelika Grützmacher hatte es noch am Abend zuvor fertig gestellt. Sabine Zecevic wohnt in der angrenzenden Siedlung: "Wenn die Leitung tatsächlich in Betrieb genommen wird, ziehen wir weg."
Sie hoffe immer noch, dass die Richter für das Wohl der Bürger entscheiden. Sigrid Brodehl versuchte bereits, ihr Haus zu verkaufen. "Weil die Pipeline direkt am Grundstück verläuft, haben wir aber niemanden gefunden." Beate Sommer macht ihrem Ärger Luft: "Ich verstehe einfach nicht, dass Bayer trotz aller Proteste weiter baut, obwohl das Kohlenmonoxid auch vor Ort hergestellt werden kann."
Bürgermeister Günter Scheib (SPD) nahm einen Spaten und schaufelte Erde um den Ginko-Baum. "Er ist ein Denkmal des Bürgerprotestes", sagt er anschließend. Die CO-Leitung sei "ein Projekt, das wir alle nicht wollen". Niemals dürfe Gas durch die Rohre strömen. Am kommenden Dienstag sei der nächste Erörterungstermin. "Und wir hoffen, das Verwaltungsgericht entscheidet in unserem Sinne."
Gemeinsames Gebet
Bevor der kleine Demonstrationszug – an dem auch Kinder teilnahmen– losmarschierte, beteten die Teilnehmer das "Vaterunser". Anschließend führte Horst Ferber, Vorsitzender der Familienheimsiedlung am Lehmkuhler Weg, die Protestler zum alten Markt.
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