Hilden: Polizist vom Dienst suspendiert
VON BARBARA JAKOBY - zuletzt aktualisiert: 23.11.2006 - 18:30Düsseldorf (RPO). Ein 23-jähriger Kommissar steht im Verdacht, im Internet ausländerfeindliche Parolen zu verbreiten. Außerdem soll er zu einem Anschlag auf eine Kneipe in seiner Heimatstadt Münster aufgerufen haben.
Der 23-jährige Kommissar zur Anstellung war erst seit dem 1. September im Wach- und Wechseldienst der Hildener Polizei tätig. Er kam frisch von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHÖV) in Gelsenkirchen. Am Mittwochnachmittag wurde er vom Dienst suspendiert und musste seine Waffe abgeben. Gegen den aus Münster stammenden Mann wurde ein Strafverfahren eingeleitet.
Mit gezogener Waffe
Aufgrund von Recherchen von „Bild“ hatte die Kreispolizeibehörde in Mettmann erfahren, dass der Polizist in einem Internetforum, das vorwiegend von Studenten genutzt wird, ausländerfeindliche Äußerungen verbreitet und außerdem zu einem möglichen Anschlag auf eine Gaststätte in Münster aufgerufen hat. Das Bild auf der Internetseite zeigt einen Mann in polizeilicher Lederjacke mit gezogener Dienstwaffe. Als Beruf gebe der Mann auf der Internetseite „Troubleshooter“ an und sage „Ich tu’, was getan werden muss“, berichtete „Bild“ gestern.
Direkt von der FH
Am 1. September haben 14 neue Polizisten in Hilden, Erkrath und Haan ihren Dienst angetreten. Als „dringend nötige Verstärkung“ für den Wachbereich in der Polizeiinspektion Mitte. Zehn von ihnen kamen direkt von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung. Darunter war auch der jetzt vom Dienst suspendierte Kommissar zur Anstellung.
Aufgrund des Fotos im Netz und der „Parallelen“ habe sich der Verdacht gegen den 23-jährigen Kollege bestätigt, sagte Polizeisprecher Ulrich Löhe. Die Ermittlungen liefen sofort an. Dass der Kommissar in Hilden seinen Dienst tat, wollte Löhe nicht bestätigen: „Er genießt Identitätsschutz.“ Nur so viel: Im Dienst sei der Beamte nicht auffällig geworden. Das Strafverfahren wurde zunächst von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf geführt. „Da es auf der Hildener Wache keinen Internetanschluss gibt, kann er die ihm zur Last gelegten Taten dort nicht begangen haben“, sagte Johannes Mocken, Sprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Deshalb sei das Verfahren an die Staatsanwaltschaft in Münster, Wohnort des Beschuldigten, abgegeben worden. Die dortige Justizbehörde will sich frühestens Anfang nächster Woche zu dem Fall äußern. Es werde ermittelt, ob weitere Personen darin verwickelt seien.
Keine Internetseite der FH
An der FHÖV in Gelsenkirchen, wo der Kommissar den Studiengang „Ausbildung für den gehobenen Polizeivollzugsdienst“ absolviert hatte, wurde gestern „recherchiert“, ob er bereits zuvor auffällig geworden war. Abteilungsleiter Hans Schulte betonte, die Internetseite, auf der die rechtsextremen Parolen verbreitet wurden, sei keine Seite der FH: „Die habe ich bis heute noch nie gesehen.“
Kollegen des 23-Jährigen in Hilden wollten sich entweder nicht äußern oder kannten ihn gar nicht. Landrat Thomas Hendele stellte klar: „Die gesamte Mettmanner Polizeibehörde ist Verfechter demokratischer Grundwerte und duldet keine ausländerfeindliche Hetze – schon gar nicht aus den eigenen Reihen.“
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