Haan: Proteste gegen Straßentausch
VON PATRICK JANSEN - zuletzt aktualisiert: 04.07.2008Düsseldorf (RPO). Kreis und Stadt Haan erwägen, die Turnstraße zu einer Gemeinde- und die Martin-Luther-Straße zu einer Kreisstraße zu machen. Heute ist es umgekehrt. Anwohner diskutierten hitzig mit der SPD-Fraktion.
Verkehrslast
Mit Erfassungsgeräten wurden Fahrzeugzahlen je 24 Stunden auf allen drei Straßen ermittelt – einmal vor und zwei Monate nach Änderung der Wegweiser.
Turnstraße 2614 Fahrzeuge am Tag mit und 2503 Autos ohne Wegweiser.
Königgrätzer Straße 1812 zu 1747 Fahrzeuge.
Martin-Luther-Straße 5559 zu 5539 Wagen.
Nach der Sommerpause wird sich der Verkehrsausschuss erneut mit dem Thema beschäftigen.
Die Bürger halten offenbar nichts von dem geplanten Straßentausch. Das bekam die SPD-Ratsfraktion an der ersten Station ihrer Sommertour zu spüren. Denn gleich mehrere Dutzend Anwohner der Turnstraße und der Martin-Luther-Straße führten mit den Politikern vor Ort teils hitzige Diskussionen. „Wenn nachts die Lkw über die Martin-Luther-Straße brettern, da fallen wir aus den Betten“, beschwerten sich Anwohner. Denn seit die Stadt Haan den Wegweiser nach Solingen an der Ecke Kaiserstraße (B228)/Martin-Luther-Straße anbrachte, rollt der Schwerlastverkehr nicht mehr über die enge Turnstraße, sondern über die in vielen Routenplanern bereits als Kreisstraße 5 ausgewiesene Martin-Luther-Straße. Da die Turnstraße eine Einbahnstraße ist, nutzen die Lastwagen außerdem die Martin-Luther-Straße oder die Königgrätzer Straße auf ihrem Weg zur A46 durch Haan, da Solingen nur von der A3 tangiert wird. Eine Verkehrszählung ergab rund 5500 Fahrzeuge auf der Martin-Luther-Straße und etwa 2600 Autos auf der Turnstraße je 24 Stunden.
Die Turnstraße eigne sich nicht als Kreisstraße. Durch zu schnelles Fahren seien dort vor allem Kinder mehr als sonst gefährdet, glauben Anwohner. Denn in unmittelbarer Nähe befänden sich zwei Kindergärten. „Es muss doch nicht erst ein Kind zu Schaden kommen“, waren sich einige Anwohner einig. Zudem habe man die Anwohner selbst in der Sache noch gar nicht gehört. Entschieden ist zwischen Stadt Haan und Kreis Mettmann noch nichts. Trotz allen Ärgers gaben die Anwohner aber auch konstruktive Kritik an die Politiker weiter. So sollten Kinder an der Ittertalstraße einen Zebrastreifen bekommen. Eine Geschwindigkeitsmessanzeige könne die Autofahrer auf dem Weg nach Haan sensibilisieren. Aber auch verkehrsberuhigende Maßnahmen, wie bereits auf der Erkrather Straße umgesetzt, Tempo 30 oder eine Umgehungsstraße wurden vorgeschlagen. „In Haan fehlen aber, anders als in Hilden, die freien Flächen für eine Umgehungsstraße“, erklärte Jörg Dürr. „Für die Stelen in der Erkrather Straße war zudem das tolle Engagement der Bürger mitverantwortlich“, betonte der Pressesprecher der SPD-Fraktion. Zu dem Ruf nach einer Umleitung des Verkehrs sagte SPD-Ratsmitglied Walter Drennhaus, Mitglied im Verkehrsausschuss: „Wir können den Verkehr nicht ständig umleiten. Die Lkw-Fahrer suchen sich natürlich immer den bequemsten Weg. Uns ist eine vernünftige Lösung aber sehr am Herzen gelegen.“
Nach der Sommerpause will Wilfried Pohler aus den vielen Bürger-Vorschlägen einen Antrag ausarbeiten und an Ute Wollmann, Vorsitzende des Verkehrsausschusses, weiterreichen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende bemühte sich in den Diskussionen mit den Bürgern besonders um Sachlichkeit. Denn Pohler wohnt selbst an der Martin-Luther-Straße.
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