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Hilden: Ran an den Speck

VON BIRGIT SICKER - zuletzt aktualisiert: 17.08.2007

Düsseldorf (RPO). Mit dem Programm „Leichter fit“ hat die Stadt Hilden übergewichtige Kinder und Jugendliche im Blick. Durch Sport und veränderte Essgewohnheiten sollen die Pfunde schwinden. Die Rheinische Post begleitet die Aktion.

Mit dem Sport-Check – hier in der Wilhelm-Hüls-Schule – hat die Stadt Hilden den Einstieg in die ganzheitliche Förderung von Fitness und Gesundheit bei Kindern gemacht. Mit „Leichter fit“ geht es in die nächste Runde.   Foto: RPO
Mit dem Sport-Check – hier in der Wilhelm-Hüls-Schule – hat die Stadt Hilden den Einstieg in die ganzheitliche Förderung von Fitness und Gesundheit bei Kindern gemacht. Mit „Leichter fit“ geht es in die nächste Runde. Foto: RPO

Mit der Modernisierung der Sportanlagen steigerte Hilden in den vergangenen Jahren seine Attraktivität und festigte den Ruf als sportfreundliche Stadt. Längst aber arbeiten die Verantwortlichen an einem ganzheitlichen Konzept, das nun die Menschen in den Mittelpunkt des Interesses rückt. „Jedes Jahr kommt ein neues Modul dazu“, erklärt Reinhard Gatzke. Der Sport-Check an den Grundschulen machte den Anfang. „Wir wollen in den Schulen mehr Sport anbieten und eine höhere Qualifikation der Lehrer erreichen“, so der Sportdezernent. Jetzt startet die Stadt außerdem das Projekt „Leichter fit“, das stark übergewichtige Jugendliche von acht bis 16 Jahren im Blick hat. „Das ist nicht irgendein Projekt, sondern ein ganz besonderes“, betont Gatzke.

„An die motivierten und talentierten Kinder kommen wir gut ran. Weitaus schwieriger ist es aber, adipöse, sprich fettleibige Kinder zu erreichen“, erläutert Claudia Wachendorf. „Deshalb wollen wir jetzt schwerpunktmäßig auf die Familien zugehen. Unser Sport- und Bewegungsmodell hat bislang die älteren Jugendlichen noch nicht erfasst“, sagt die Leiterin des Sportbüros der Stadt Hilden. Ein entsprechendes Netzwerk von Kinderärzten, Jugendamt, Psychologischem und Allgemeinem Sozialen Dienst soll den Weg erfolgversprechend ebnen. „Alle Hildener Kinderärzte machen mit“, freut sich Wachendorf über ein reges Interesse.

Info

Wichtige Eckdaten

Kinderärzte Dr. Gottfried Arnold, Dr. Ulrich Geisler & Dr. Gudrun Rotenberger, Dr. Helma Gölz, Dr. Christian Steinhagen unterstützen das Projekt.

Das Besondere Ambulantes Schulungsprogramm als Alternative für einen stationären Aufenthalt.

Dauer Ein Jahr.

Ziel Langfristige Reduzierung des Gewichts durch ein verändertes Ess-, Ernährungs- und Bewegungsverhalten.

Adressaten Stark übergewichtige Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren.

Info Karin Wagner (Schulungsleitung), Tel. 02 11 / 7 00 60 33 oder E-mail an info@ernaehrung-wagner.de oder Claudia Wachendorf (Sportbüro der Stadt Hilden), Tel. 0 21 03 / 7 25 44 oder E-mail an claudia.wachendorf@hilden.de.

„Wir rennen offene Türen ein“, bestätigt Karin Wagner. Die diplomierte Ernährungswissenschaftlerin leitet das Projekt und nennt den wesentlichen Vorteil: „Die Eltern sind mit eingebunden, müssen das Projekt unterstützen.“ Denn Ziel ist, eine Verhaltensänderung im gewohnten Lebensumfeld der übergewichtigen Jugendlichen zu erreichen. „Die Eltern müssen die Kinder im Alltag aktiv unterstützen und als Vorbild fungieren. Nur wenn sie mitziehen, kann das Projekt für die Kinder erfolgreich sein.“ Das ambulante Schulungsprogramm im Jugendtreff Area 51 geht über ein Jahr und umfasst 150 Einheiten. Zweimal die Woche steht eine Stunde Bewegung auf dem Plan, außerdem für Eltern und Kinder zusammen Einkaufstraining und Kochen.

„Der Bedarf ist gegeben. Die Frage ist, ob auch bei den Eltern die Erkenntnis vorhanden ist“, verweist Wagner auf einen wesentlichen Erfolgsgaranten. Deshalb müssen interessierte Familien zunächst einige Hürden nehmen. Die medizinische Notwendigkeit – extreme Übergewichtigkeit und bereits bestehende Folgeerkrankungen – stellen Kinder- oder Hausarzt fest. Ist der erste Schritt gemacht, folgt das Familiengespräch mit Dr. Anja Lawrenz, der Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin im Projekt-Team. Nur wenn die familiäre Motivation stimmt, haben die Jugendlichen die nächste Stufe erreicht. Bleibt noch die Kostenfrage. Denn die Kursgebühr für ein Jahr beträgt 1860 Euro. „Wir arbeiten nicht gewinnorientiert, sondern rein kostendeckend“, betont Claudia Wachendorf. Im zu prüfenden Einzelfall besteht die Möglichkeit, dass die Krankenkasse die Teilnahme finanziell unterstützt. Trotzdem kann ein Eigenanteil von 300 Euro bleiben – für sozial schwache Familien eine vielleicht zu hohe Hürde.

Paten gesucht

Aus diesem Grund sucht das Schulungsteam nach Paten, die mit Spenden das Projekt „Leichter fit“ unterstützen. „Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass übergewichtige Kinder sehr oft in sozial schwachen Familien zu finden sind“, weiß Claudia Wachendorf um den Teufelskreis von Ursache und Wirkung.

Quelle: RP

 
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