Hilden: Ritterschlag für Heinersdorff
VON DANIEL OELBRACHT - zuletzt aktualisiert: 14.01.2008Düsseldorf (RPO). Die Karnevalsgesellschaft Musketiere verleiht seit zehn Jahren den „Itterlitter“. Die mundgeblasene Flasche geht, nebst Orden in Gold und Mütze, an Politiker und VIPs, die sich besonders hervorgetan haben.
Der Düsseldorfer Schauspieler René Heinersdorff ist der elfte Träger des Ordens „Itterlitter“, den die Karnevalsgesellschaft Musketiere 1998 erstmals verlieh. Damit steht er in einer Reihe mit NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Jürgen Möllemann (früher FDP-Landesvorsitzender), Domprobst Bernhard Hendrichs, Franz-Josef-Antwerpes (früher Regierungspräsident in Köln), Journalist Jean Pütz, Modeschöpfer Hanns Friedrichs und anderen.
Höhepunkt der Sitzung in der ausverkauften Stadthalle war der Augenblick, als René Heinserdorff sich als neues Ehrenmitglied der KGM nach dem Kniefall vor Präsident Wolfgang Mais erhob und die Insignien – den „Itterlitter“, nebst Orden, Urkunde und Komitee-Mütze – erhielt. Der Düsseldorfer Schauspieler verpackte sein Dankeschön in einen liebenswerten Limerick über Hilden.
René Heinersdorff
Person Der gebürtige Düsseldorfer, Jahrgang 1963, studierte an der Heinrich-Heine-Universität Philosophie und Germanistik.
Familie Sein Großvater besaß einen Konzertsaal und einen Musikalienhandel, seine Eltern betreiben eine Konzertagentur.
Tätigkeit Heinsdorff ist Schauspieler („Die Camper“), Regisseur und Autor. Darüber hinaus ist er Direktor des 1994 von ihm gegründeten Boulevardtheaters „Theater an der Kö“ in Düsseldorf.
Die Laudatio hielt der im Vorjahr ausgezeichnete Kabarettist Manes Meckenstock. Mit der Lesebrille auf der Nase erinnerte Meckenstock daran, dass Heinersdorff nicht nur den ersten gemeinsamen Dreh, sondern auch zwei weitere verschlief. „Er ist ein Chaot durch und durch“, stellte er fest, nannte den Schauspieler einen fairen Burschen, dessen Name nicht aus Düsseldorf wegzudenken sei. „Was er anpackt, das gelingt“, lobte er. Auch auf das „Theater an der Kö“ ging der Itterlitter-Träger des Vorjahres ein. Das führe Heinersdorff ohne Subventionen und hole in sein Ensemble gern auch mal straffällig gewordene Kollegen wie Martin Semmelrogge und Karsten Speck.
Der Komödiant war zuvor auf seine umstrittenen Äußerungen zur TV-Moderatorin Gülcan Kamps eingegangen. Deren Namen hatte er auf Antenne Düsseldorf im Zusammenhang mit den Nürnberger Rassegesetzen des Nazi-Regimes genannt. Später hatte er sich dafür entschuldigt. Der Kommentar des bekennenden Homosexuellen auf der Stadthallen-Bühne: „Mit meiner Schnauze wäre ich doch die erste brennende Tunte im Dritten Reich gewesen!“ Beifallsstürme erhielt Meckenstock für sein Lob: „Ich finde es toll, dass in Hilden eine frühere Domina Karnevalsprinzessin werden kann.“ War schon das Datum – elfte Verleihung am 11. Januar – ein Volltreffer, galt dies auch für das Programm. Beim Einmarsch verstärkten sich die Musketiere mit dem Hildener Kinderprinzenpaar Sophie und Joel sowie der KG Domstädter aus Köln. Einblicke in einen kölschen Ehealltag gaben die „Bieckendorfer Knallköpp“, bevor das Carnevals Comitee Hilden samt Prinzenpaar Thomas und Silke einzog. Ein Glanzlicht setzten die „Tanzenden Sterne“ aus Emmelshausen (Hunsrück) sowie die Ehrentanzgarde der Musketiere. Für Aufsehen sorgte „Deutschlands Powerfrau Nr.1“: Bettina „Betti“ Stark wiegt 140 Kilo, spielte zehn Instrumente und schaffte einen Spagat. Büttenredner Peter Fassbender, die Gesangsgruppe „Paraplüs“ und das Tanz- und Musikkorps „Treuer Husar“ Blau-Gelb aus Köln rundeten einen gelungenen Abend ab.
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