Haan: Saubere Berufschance ergriffen
VON ANDREA STOCKHAUSEN-GRÜTEN - zuletzt aktualisiert: 21.08.2010Düsseldorf (RPO). Das Haaner Gebäudereinigungsunternehmen Peter Raddatz freut sich über vier Auszubildende. Über Umwege kamen zwei 23- und zwei 18-jährige Männer an ihre Lehrstelle in dem anspruchsvollen Handwerksberuf.
Sie haben zum Teil Tiefschläge wegstecken müssen. Jetzt sind sie beruflich angekommen: Alexander Wüster (23), Patrick Reich (23) und die beiden Achtzehnjährigen Guiseppe Chiazza und Michael Bruchmann. Anfang August traten sie ihre Ausbildung als Gebäudereiniger bei der Haaner Firma Raddatz an und sind schon jetzt sicher: Berufsbild, Arbeit und Umfeld stimmen. Die jungen Männer blühen beim Einsatz in dem Familienbetrieb auf.
Notfalls Nachhilfe bei Problemen
Froh über die Neuzugänge ist auch die Firma: "Es ist das erste Jahr, dass wir so einen guten Zulauf haben", betont Ute Raddatz-Tettmeier. "Ein Gebäudereiniger läuft nicht mehr nur mit Schrubber und Eimer herum, sondern absolviert eine spezialisierte Ausbildung. Unsere Gesellen werden überall gerne genommen", korrigiert Objektleiter Rüdiger Tettmeier das angekratzte Image des Berufes. Derzeit geht Raddatz davon aus, die jungen Leute nach ihrer dreijährigen Ausbildung übernehmen zu können.
Hotline und Handwerk
Jeder, der noch eine Ausbildungsstelle sucht, kann sich bei der IHK-Ausbildungshotline unter Tel. 0211 3557-666 melden. Auch Unternehmen, die noch offene Lehrstellen anbieten wollen, können sich über diese Nummer registrieren lassen.
In den Lehrstellenbörsen gibt es noch mehrere hundert Angebote.
www.arbeitsagentur.de/ duesseldorf
Das hofft auch "Azubi" Patrick Reich. "Ich wollte erst am Wuppertaler Abendgymnasium mein Fach-abitur machen", erzählt der 23-Jährige. Die Schule brach er auch wegen der Krankheit seiner Mutter ab. Nach 50 vergeblichen Bewerbungen riet ihm sein Stiefvater, sich bei Raddatz zu bewerben. "Gebäudereiniger ist ein vielseitiger Beruf, man ist immer in Bewegung und hat viel mit Kunden zu tun", schwärmt Reich.
Manche Stelle blieb unbesetzt
So sieht es auch Alexander Wüster. Der 23-Jährige hatte sich nach Abschluss der Hauptschule im Kfz-Bereich und als Zimmermann beworben, wollte dann zur Bundeswehr – es hagelte Absagen. "Also habe ich erst gejobbt", so der Wuppertaler. An die Stelle bei Raddatz kam er über das Arbeitsamt. "Die Arbeit hier macht Spaß", sagt Alexander. Kürzer war der Weg der Hauptschulabsolventen Michael Bruchmann und Guiseppe Chiazza. Michael absolvierte zuerst einen berufsvorbereitenden Lehrgang, Guiseppe wurde von Firmenchef Peter Raddatz von der Mettmanner Erich-Kästner-Schule geholt, zu der Raddatz eine Lernpartnerschaft unterhält.
Nicht alle Stellen konnten pünktlich zum Start des Ausbildungsjahres besetzt werden. Dabei mangelt es nach Aussage einiger Firmen an der Qualität der Bewerber. "Wir hatten 60 Bewerber für den Ausbildungsplatz zum Automobilkaufmann, erwarten einen guten Haupt- oder Realschulabschluss", so der kaufmännische Leiter der Ernst Jüntgen GmbH in Haan, Christoph Heiland. Nur zwei Kandidaten hätten entsprechende Noten und Fähigkeiten gehabt, dann aber abgesagt. "Es mangelt oft schon am Dreisatz", so Heiland. Nicht alle Unternehmen können schulische Defizite auffangen, wie die Firma Raddatz. "Wenn unsere Azubis uns Probleme nennen, gibt es Nachhilfe."
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