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Hilden: "Schläger fördern Wegsehen"

VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 15.09.2009

Düsseldorf (RPO). Schockiert zeigten sich die Fahrgäste am Hildener Bahnhof gestern über den mutmaßlichen Mord an einem Münchener, der am Samstag seine Zivilcourage in der S-Bahn mit dem Leben bezahlt hat.

Rund um den Hildener Bahnhof gab es gestern nur ein Thema: den 50-jährigen Münchener, der beim Versuch, vier Teenager in der S-Bahn vor Abzockern zu schützen, von diesen zu Tode geprügelt wurde. "Schlimm, ganz schlimm" findet die sichtlich schockierte Wiebke den Vorfall.

Die 17-jährige Schülerin befürchtet, dass nun noch weniger Menschen auf Gewalttaten in ihrem Umfeld reagieren, weil sie Angst haben. "Ich habe selbst mal beobachtet, wie in einer Fußgängerzone jemand 'rumgepöbelt und andere mit einer Eisenstange bedroht hat", erzählt die junge Hildenerin. Da habe sie aber "lieber die Polizei angerufen, statt mich selbst in Gefahr zu begeben".

Info

Die Pendler im Blick

17 500 Einpendler, dem stehen 18 600 Auspendler gegenüber. Und für Haan verzeichnet das Landesamt für Datenverarbeitung 10 255 Auspendler und 8770 Einpendler.

Seit einem knappen Jahr verkehren auf der S-7-Strecke nur noch Bahnen mit Videoüberwachung.

Kontraproduktiv für Renovierung

Stärkere Polizei- oder Security-Präsenz "vor allem auf abgelegenen Bahnhöfen wie Hilden-Süd" fordert Harry Müller. Der 59-jährige Berufspendler wird "ab jetzt zumindest abends mit einem noch mulmigeren Gefühl in die S-Bahn steigen". Wie wichtig das subjektive Sicherheitsgefühl für die Fahrgäste ist, weiß auch Matthias Schuster. Der Betreiber des alkoholfreien Kiosks im Hildener Bahnhof berichtet von "einigen älteren Damen, die mir erzählt haben, dass sie sich seit der Renovierung des Gebäudes auch abends wieder trauen, allein zur S-Bahn zu kommen".

Vor knapp drei Monaten war der "Lichttunnel" zu den Gleisen eröffnet worden. Auch ein gutes halbes Dutzend Videokameras und der umgestaltete Eingangsbereich dienen der Sicherheit der Fahrgäste. Die mutmaßlichen Mörder von München seien da mehr als kontraproduktiv: "Zivilcourage war unter den Deutschen ja noch nie besonders ausgeprägt, aber jetzt wird sie noch weiter zurückgehen", befürchtet Schuster, der hofft, dass "die grausamen Täter sehr hart bestraft werden".

Er könne zudem nicht verstehen, dass etwa 15 Personen auf dem Münchener S-Bahnsteig ohne aktiv einzugreifen Zeugen wurden, wie der 50-Jährige zu Tode geprügelt und getreten wurde. Ein Drama, das Christa Cholewinski für eine "gesellschaftspolitische Katastrophe mit weitreichenden Folgen" hält.

"Schrecklich" findet es die Geschäftsführerin des Hildener Kinderschutzbundes, "dass da jemand eine schützende Hand über bedrohte Kinder hält und dafür getötet wird". Sie selbst sei auch schon einmal dazwischen gegangen, als ein Ausländer von einem Nazi bedroht worden sei. "Da habe ich gar nicht groß drüber nachgedacht – außer, dass ich mir selbst im Spiegel sonst nicht mehr hätte in die Augen sehen können."

Quelle: RP

 
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